Der romantische Beethoven: 1827–1927–2027
Internationale Tagung und Praxisworkshop zum 200. Todestag Ludwig van Beethovens
Kooperationsprojekt der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart und des Beethoven-Hauses Bonn
Konzeption und Leitung: Prof. Dr. Tobias Janz (Bonn), Prof. Dr. Andreas Meyer (Stuttgart)
Gehört Beethoven zur Romantik? Was nach einer musikwissenschaftlichen Prüfungsfrage klingt, erweist sich bei näherem Nachdenken als vielschichtiges kulturgeschichtliches Problem. Dass der „romantische Beethoven“ auch ein Rezeptionsphänomen sei, war die zentrale These in Arnold Schmitzʼ Buch Das romantische Beethovenbild von 1927, einem Buch, das nicht von ungefähr am Beginn der musikwissenschaftlichen Rezeptionsforschung steht. Für Schmitz war die Verbindung Beethovens mit der Romantik sogar ein reines Rezeptionsphänomen, eine fatale Fehldeutung, für die Schmitz „romantische“ Dichter, Dichterinnen (!) und Komponisten ver-antwortlich machte. Schon bei Schmitz wird deutlich, dass es in diesen Zusammenhängen nie allein um eine stilgeschichtliche Frage – Klassik oder Romantik? – ging. Sein Buch behandelt Aspekte der „politischen Romantik“ (im Sinne Carl Schmitts), der zeitgenössischen Theologie sowie der literatur- und kunstgeschichtlichen Diskussion. Über den romantischen Beethoven werden bei Schmitz auch die Kulturkämpfe der Weimarer Republik ausgetragen. Die Geschichte der Beethovenrezeption begann unter den Vorzeichen einer von heute aus gesehen überzogenen Romantikkritik.
In der Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts bilden die 1920er Jahre nur den Auftakt einer langen Phase teils heftiger Anti-Romantik, die bis in die 1960er und 1970er Jahre anhielt. Seither ist, etwa im Zuge der Postmoderne-Debatte, eine Wiederaufwertung der Romantik bzw. des „Romantischen“ erfolgt. In der literatur- und philosophiegeschichtlichen Forschung werden heute eher gemeinsame Basiskonzepte von (Weimarer) Klassik und (Jenaer) Frühromantik herausgearbeitet: die Autonomie der Kunst, die Betonung der schöpferischen Individualität, die Abkehr von der „imitatio naturae“. Auch wird die Reflexivität und Modernität der romantischen Bewegung betont („Romantik als erste Moderne“), dazu ihre gesamteuropäische Dimension. Die Protagonisten der Romantik dichten und denken im Horizont der Französischen Revolution – mit unterschiedlichen, im Zuge ihrer persönlichen Entwicklung auch wechselnden Konsequenzen.
Obwohl Beethovens Musik auf die genannten Merkmale in besonderer Weise anspricht, haben diese Diskussionen im Musikschrifttum noch kaum zu einer Revision landläufiger Epochenbilder und eingewurzelter Vorstellungen über die „Wiener Klassik“ geführt. Dies birgt – bei allen Fortschritten der Forschung im Detail – die Gefahr unkritischer Weitergabe stereotyper Vorstellungen (etwa über Beethoven als Inbild der „Heroengeschichtsschreibung“, als Paradigma der klassischen Formenlehre etc.) und verschenkt das Potential vertiefter historischer Forschung und ästhetischer Theoriebildung auf diesem Gebiet.
Das Projekt aus Anlass zu Beethovens 200. Todestag 2027 besteht aus zwei Teilen: einem Praxisworkshop an der HMDK Stuttgart (25.–27. November 2026) sowie einer internationalen Tagung am Beethoven-Haus Bonn (15.–18. April 2027). Die Ergebnisse werden bis Ende 2027 in einem Sammelband der Stuttgarter Musikwissenschaftlichen Schriften veröffentlicht.




















