Internationale Tagung „Der romantische Beethoven: 1827–1927–2027“
Kooperationsprojekt der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart und des Beethoven-Hauses Bonn
Beethoven-Haus Bonn, Kammermusiksaal, 15.–18. April 2027
Konzeption und Leitung: Prof. Dr. Tobias Janz (Bonn), Prof. Dr. Andreas Meyer (Stuttgart)
2027 jährt sich zum zweihundertsten Mal Beethovens Todesjahr, und das Bonner Beethovenarchiv feiert sein hundertjähriges Bestehen. Die Tagung nimmt diese Konstellation auf nach Art einer methodischen „Triangulation“. Dabei werden Beethovens eigene Lebenszeit – bis 1827 –, die Beethoven-Sicht des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts – so die sehr profilierte Rezeption im Gedenkjahr 1927 – und unsere eigene Gegenwart – 2027 – ins Verhältnis gesetzt. Mit den drei Jahreszahlen ist eher an historische „Marker“ gedacht, die für längere Zeiträume stehen, nicht an „synchrone Schnitte“ im engeren Sinne. Die Frage, ob oder inwiefern Beethoven ein Romantiker war, lässt sich nicht im Sinne einer simplen Zuordnung entscheiden – so wie es einen „romantischen Beethoven“ gibt, hat man mit Recht auch vom „Klassiker Schubert“ gesprochen, Beethovens Verbindung zur „barocken“ Satzlehre herausgestellt u.a.m. Vielmehr dient die Figur des romantischen Beethoven als Problemstellung, die es erlauben soll, neues Licht auf Beethovens Musik in ihrer Zeit, einen entscheidenden Moment ihrer Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte und nicht zuletzt ihre gegenwärtige Wahrnehmung zu werfen.
Zu den drei Panels
1827
An die interdisziplinäre gegenwärtige Romantikforschung anschließend wird erneut nach Beethovens Ort inmitten der vielfältigen Kulturströmungen zwischen Politik und Philosophie, Literatur, Künsten und Theologie im Europa der Jahre um und nach 1800 zu fragen sein. Heute haben wir eine genauere Sicht auf die vielfältigen historischen Zusammenhänge und faktischen Berührungspunkte Beethovens mit der literarischen und philosophischen (Früh-)Romantik, auch auf überregionale Netzwerke, Publizistik etc. Die Romantik in der Musik beginnt nicht erst mit Schubert und ist (wie in der Literatur) ein gesamteuropäisches Phänomen.
Einem intuitiven Verständnis von Romantik entsprechen vor allem die Werke des „späten mittleren Beethoven“ nach 1810. Eine besondere Herausforderung – hier wie stets beim Versuch, Beethoven in seiner Zeit zu begreifen – stellt das Spätwerk dar, das sich von Klassik wie Romantik gleichermaßen zu entfernen scheint.
1927
Die Beethoven-Zentenarfeier bildet im Zuge der anti-romantischen Zeitströmung wohl eher einen Höhepunkt der Verehrung des „klassischen“ Tonheros, wiewohl es auch Einsprüche gegen diese Auffassung gab. Das Romantik-Problem verschärft sich in der Folgezeit vor dem Hintergrund der politischen und zeitgeschichtlichen Entwicklung, wobei so gegensätzliche Stimmen wie Thomas Mann oder Victor Klemperer den romantischen „Irrationalismus“ für den deutschen Sonderweg (und letztlich den Hitler-Faschismus) in Mithaftung nehmen. Womöglich auch deshalb bleibt der „romantische Beethoven“ im deutschsprachigen Schrifttum nach 1945 jahrzehntelang außen vor.
2027
In einem naiven Verständnis ist die Identifikation von Musik mit Romantik bzw. „Romantischem“ heute selbstverständlicher denn je – eine Brücke auch zu Beethoven? Konkrete Beethoven-Verweise in der Popmusik zielen indes eher auf die ewig gleichen Versatzstücke, von denen einige (Eröffnung der Fünften, Finalsatz der 9. Symphonie etc.) gleichsam eine Idee „klassischer“ Größe chiffrieren, andere (Für Elise, Mondscheinsonate) durchaus ein „romantisches“ Register ziehen. Ein wiederum anderes Bild zeigen die vielfältigen Anverwandlungen und Dekonstruktionen in der zeitgenössischen komponierten Musik.
Wiederum reicht die Spannbreite möglicher Zugangsweisen vom populären Bestseller bis hin zur vertieften soziologischen Analyse. Aktuelle musikologische Versuche, Beethoven eher auf die „Gedankenwelt seiner Jugend“ bzw. die Spätaufklärung zu beziehen, operieren zum Beispiel mit Prädikaten wie Gelassenheit, Vernunft und Zuversicht, die gegen die „Verstörungen“ der Romantik in Stellung gebracht werden.
In der Konfrontation und im wechselseitigen Dialog der drei Zeitebenen lassen sich Fragen an die Musik Beethovens und seiner wie unserer Zeit formulieren – Fragen nach Formstrategien, innerer Faktur, Klanglichkeit und affektivem Gehalt, Fragen aber auch nach Hörweisen und den Möglichkeiten ihrer Aufführung und Interpretation im frühen 19., 20. und 21. Jahrhundert. Die Ergebnisse der Tagung sollen zeitnah in einem Sammelband der Reihe „Stuttgarter Musikwissenschaftliche Schriften“ im Schott-Verlag erscheinen.


















