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Seminarraum 8.28

Von der Harmonie der Welt zur Welt der Harmonie

Jean-Philippe Rameau und die Entstehung des tonalen Raums
Vortrag von Dr. Alexander Jakobidze-Gitman (Witten/Herdecke)
Vortrag

Aus der älteren Tradition der Weltharmonie, wie sie sich bei Kepler, Mersenne oder Kircher findet, übernimmt Jean-Philippe Rameau den Anspruch, musikalische Harmonie aus allgemeinen Prinzipien zu erklären. Doch bei ihm verändert sich die Perspektive entscheidend: Harmonie erscheint nun als eine Ordnung, in der sich das Ohr orientiert und bewegt. Was geschieht mit dem musikalischen Raum und mit der Stellung des Hörers, sobald Harmonie als ein System verstanden wird, das man durchlaufen kann? Bei Rameau tritt neben die Harmonie als Erklärung der Welt mit besonderer Konsequenz die Harmonie als ein vom Ohr zu erschließender und zu durchwandernder Binnenraum. Der Vortrag untersucht diese Vorstellung musikalischer Räumlichkeit anhand von Rameaus räumlichen Metaphern, die besonders markant in seinem zweiten Traktat, dem "Nouveau système de musique théorique" (1726), zutage treten.

Dr. Alexander Jakobidze-Gitman ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Witten/Herdecke. Seine Aufsätze erschienen bzw. sind zur Veröffentlichung angenommen in Zeitschriften wie Archiv für Musikwissenschaft, Die Musikforschung, Musik & Ästhetik, Musica & Figura, History of Education, Studies in East European Thought und Journal of the British Society for Phenomenology. Als am Moskauer Konservatorium und an der Royal Academy of Music in London ausgebildeter Konzertpianist entwickelt er zudem das Format des Gesprächskonzerts, in dem er Klavierspiel mit kultur- und ideengeschichtlichen Kommentaren verbindet.

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