Interview zum 11. Jazz & Pop Festival
Wie würden Sie das Jazz & Pop Festival der HMDK Stuttgart jemandem beschreiben, der noch nie davon gehört hat — und was macht dieses Festival einzigartig?
Hier kann man an zwei Tagen vier internationale Gäste aus Europa oder anderen Kontinenten hautnah erleben. Dieses Jahr sind es hauptsächlich Deutsche, die an zwei Tagen zusammen mit unseren Studierenden ein Programm erarbeiten. Das Besondere daran ist, dass wir am Montag noch nicht wissen, ob es bis Mittwoch gelingt. Da ist natürlich der Workshop-Charakter zentral und gleichzeitig kommen natürlich Inputs von außen in unser Haus, die sehr wertvoll sind. Es ergibt immer eine Symbiose, die insgesamt gut räsoniert und an diesem spannenden Prozess kann das Publikum an den beiden Konzertabenden live teilnehmen.
Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Festival — sowohl für die Hochschule als auch für die teilnehmenden Studierenden und das Publikum?
Im Mittelpunkt stehen für mich auf jeden Fall die Studierenden, denn die sollen sich mit der Musik auseinandersetzen, auf die sie selbst vielleicht nicht kommen würden. Auch lernen Sie z.B. einen Arbeitsmodus kennen, den sie vielleicht nicht gewohnt sind. Sie sollen lernen nach links und nach rechts zu schauen, zügig und professionell zu arbeiten und dann direkt auf der Bühne sozusagen „abzuliefern“. Das ist schon das Entscheidende für mich. Natürlich hat es ganz tolle Nebeneffekte, nämlich die Öffnung in die Stadtgesellschaft, das Publikum kann da an diesen Prozessen teilhaben. Für die Hochschule sind es natürlich die Tage des Jazz & Pop Festivals, wo der Austausch sehr befruchtend sein kann. Da kommen Leute von außerhalb, die nicht jede Woche hier sind und die arbeiten kurz und intensiv mit unseren Studierenden. Und genau das hat so eine Wechselwirkung, die uns insgesamt im Haus sehr guttut.
Wie gelingt es, beim Festival die unterschiedlichen Facetten von Jazz und Pop miteinander zu verbinden bzw. künstlerisch in Balance zu halten?
Das ist eine sehr gute Frage, denn erst mal geht es darum, was ist eigentlich welche Musik und wie wird sie definiert? Ganz traditionell steckt in dem Namen „Jazz und Pop“ oder „Jazz und Popularmusik“ ganz klar zwei Genre. Gleichzeitig sind wir alle interessiert an Qualität, auch an qualitativ hochwertiger Musik, die man im weitesten Sinne so dem Popular-Bereich zuordnen kann. Insofern gibt es natürlich welche, die sagen: „Ich bin eher Pop-affin oder eher Jazz-affin.“ Aber jeder definiert selbst, was das dann für Musik ist. Ich habe eher so den Gedanken, dass es insgesamt eine Bandbreite haben soll: Also vom Inhalt her das Beste der gesangbetonten Musik, Instrumentalmusik, und von kleinen Besetzungen hin zu großen Besetzungen, von Avantgarde bis hin zu Mainstream. Da sehe ich eher die Chance Kontraste herzustellen, auch für das Publikum. Und wie das Publikum das dann einordnet, überlasse ich dem Publikum selbst.
Wie beeinflusst das Festival die musikalische Weiterbildung und Erfahrung der Studierenden an der HMDK?
Ich hoffe nachhaltig. Sie sind ja nicht nur einmal dabei. In den Jahren ihres Studiums können sie zwei bis drei Mal bei diesem Festival mitmachen und haben jedes Mal mit anderen Menschen zu tun. Mal instrumental, mal vokal, mal experimentell, mal traditionell, um die reiche Musiklandschaft hier am Haus abzubilden. So können sich Studierende damit auseinandersetzen. Das ist natürlich etwas, was wir ihnen mitgeben wollen. Man kommt aus dem eigenen Lieblingsmodus und ich finde schon für ein professionelles Musikleben muss man das ein bisschen anreichern, lernen die Augen aufzumachen, Sachen auszuprobieren, mutig zu sein, auch wenn man vielleicht denkt, das ist nicht meine Musik. Wir sind unter uns und natürlich auch in der Öffentlichkeit, die uns immer wohlgesonnen ist. Insofern einfach rein und ausprobieren und was mitnehmen für den Rest des Lebens.





















