Interview mit dem Künstler Nikolaus Koliusis
Hannah Clauß: Lieber Herr Koliusis, erzählen Sie doch mal, was haben Sie beim Tributekonzert für Wolfgang Dauner in der Liederhalle mit Ihrer Installation vor?
Nikolaus Koliusis: Randi Bubat [Witwe von Wolfgang Dauner (A. d. Red.)] kam auf mich zu und berichtete von ihrem Konzertvorhaben und fragte mich, ob ich denn nicht, weil Dauner doch immer der Spezialist für das Interdisziplinäre war, einen Beitrag leisten möchte. Ich möchte keinen Beitrag für früher, ich möchte gerne einen Beitrag für Weiteres, für Späteres. Und was liegt mir näher, als einen blauen Beitrag zu leisten? Einen Beitrag in die Zukunft, in das Licht, in das Weite.
Das verbinde ich mit Jazz. Das habe ich immer mit Dauner verbunden: den Moment von freiem Denken. Von Freiem, von Improvisation, vor allem von einem Miteinander, vom spannenden Erfinden.
„Weißt du“, habe ich zu Randi Bubat gesagt, „ich stelle mir etwas vor, wie ich es manchmal schon gesehen habe bei den Notenblättern, die im Orchester sind, wo sich die Musikerinnen und Musiker rechts oben als Notizen machen. Ich kann es nicht entziffern, aber es bedeutet bestimmt irgendetwas, auf das sie besonders eingehen, sie stimuliert. Dieses Stimulieren für die Spielenden als auch die, die diesen Moment im Beethovensaal erleben, so eine En-Pas-Vu-Geschichte, stelle ich mir mit meinem Beitrag vor. Der blau ist, der leuchtet und strahlt, eine Historie hat, der schon an vielen Orten dieser Welt ausgestellt und gezeigt wurde – immer mit einem anderen Titel, einem anderen Namen.“ BLAUBEZIEHUNG ist der Titel für diese Hommage an Wolfgang Dauner und an das Stuttgarter Publikum.
Diese Installation wird im Hintergrund hängen von diesem riesigen Orchester, und vor allem von diesen vielen, vielen, die das Miteinander zustande bringen. Einzelne und die Vielen. Dieser Moment interessiert mich und ich möchte mit dem Blau sprechen, als ein Moment des Übergangs und damit meine ich jetzt nicht 90 Jahre Dauner, sondern damit meine ich eigentlich unsere Sensibilität.
Ich möchte einen Beitrag zum Gelingen dieses Konzertes leisten. Eine besondere Aufmerksamkeit. Und das Miteinander von der Musik, von dem Bildmoment, von den Blaumomenten, in der Vereinigung derer, die es zur Kenntnis nehmen, die es aufnehmen, die es hören, die es sehen, die vielleicht sogar ihre Augen schließen für einen Moment und ein wenig geblendet sind.
Hannah Clauß: Das Interessante ist, diese Installation von Ihnen stellt eine umarmende Klammer dar – auf der Bühne und für das Publikum. Richtig?
Nikolaus Koliusis: Es ist keine Klammer, eher ein Ausrufezeichen. Wie alle das miteinander tun. Also wir hören und wir sehen und wir riechen natürlich und wir spüren auch die Atmosphäre im Saal. Und es ist ein Moment. Es ist im Prinzip wie ein Angebot. Eine Offerte an das Publikum zu sagen: „Schaue doch, wenn du hörst.“ Und mir haben Menschen gesagt, es gibt durchaus die Möglichkeit für viele, wenn sie einen Ton hören, dass sie eine Farbe vor ihrem inneren Auge sehen. Ich weiß nicht, ob das Blau, die Farbe, jetzt zu diesen geschriebenen Stücken passen wird in irgendeiner Form, aber es ist ein Angebot, ein Doping der Wahrnehmung.



















