Ähm … kurze Frage! Oktober 2026
Falls Sie glauben: Gleicht Ihr Glaube mehr einem Gefühl oder einem Wissen? Wo ist bei Religion für Sie der Unterschied zwischen Glauben und Wissen?
Diesmal stellte ich die Frage an meine Kollegin Karin Kögler aus dem Fakultätssekretariat II, zuständig für die Fachbereiche Bläser, Jazz & Pop, Schlagwerk, Streich- und Zupfinstrumente.
Vielleicht fragen Sie sich, warum wir einer so kurzen Frage an dieser Stelle so viel Raum geben. Die Antwort darauf ist ganz persönlich: Ab Oktober heißt es für uns, Abschied von unserer langjährigen Kollegin zu nehmen – und das fällt uns natürlich nicht leicht. Bevor sie uns verlässt, möchten wir ihr deshalb in unserem Newsletter noch einmal einen ganz besonderen Platz geben, um ihr auf diese Weise Danke zu sagen und ihr alles Gute für ihren weiteren Weg zu wünschen. Ein kleiner Ehrenplatz, der von Herzen kommt.
Dazu möchte ich Ihnen gerne meinen Weg zum Glauben, eine Geschichte, die weitergeht erzählen.
Kennen Sie das: Man sitzt jeden Sonntag in der Kirche, hört Woche für Woche dieselben Worte – und trotzdem bleibt alles seltsam fern? So ging es mir. Ich bin in einer traditionellen katholischen Familie aufgewachsen. Der Sonntagsgottesdienst gehörte einfach dazu. Ich hörte dort im Grunde die ganze biblische Botschaft: von der Liebe Gottes, von Jesus, der sagt, er sei der Weg, die Wahrheit und das Leben, von der Passionsgeschichte, von Umkehr und Vergebung, vom Wirken des Heiligen Geistes – bis hin zum Gericht. Alles war schon einmal gesagt worden. Und ehrlich? Ich habe davon nichts verstanden. Es war Tradition, nicht Beziehung. Vielleicht kennen Sie auch dieses Gefühl – dass Glaube etwas ist, das dazugehört, aber nirgendwo richtig ankommt?
Der Umzug, der alles veränderte
1987 hat mein Mann eine Stelle in Stuttgart angetreten, 1989 sind wir mit unserer fünfzehn Monate alten Tochter aus dem Schwarzwald dorthin gezogen. Was ich damals nicht ahnte: Mit diesem Umzug begann für mich das eigentliche Abenteuer Glauben. In Stuttgart kam ich mit einer christlichen Frauengruppe in Kontakt. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich erlebt, was Glaube eigentlich sein kann: lebendig, erfahrbar, nah. Wir haben uns mit biblischen Texten auseinandergesetzt – nicht als Pflichtlektüre, sondern mit der Frage: Was bedeutet das für mein Leben, hier und jetzt? Was können wir davon leben? Und dann war da noch etwas, das mich bis heute prägt: das Gebet Miteinander und füreinander. Wir haben unsere Sorgen und Nöte, aber auch unsere Freude einfach vor Gott gebracht – gemeinsam. Und wir haben erlebt, dass er handelt. Nicht spektakulär, nicht theatralisch. Aber spürbar. Aus einer Sonntagstradition wurde etwas, das meinen Alltag wirklich erfüllte. Der Dreh- und Angelpunkt ist die Beziehung zu Jesus in ihm erfüllt sich die ganze Schrift.
Ein fester Punkt in der Woche
Seit 17 Jahren treffe ich mich an der HMDK mit einem Dozenten und Studierenden zu einem wöchentlichen Bibelkreis. Stellen Sie sich das vor: 34 Semester, dieselbe Grundfrage, immer wieder neu gestellt. Wir lesen gemeinsam einen Bibelabschnitt und fragen uns: Was heißt das für uns? Wir beten füreinander, wir wachsen zusammen im Verstehen der Schrift. Es ist einer dieser festen Punkte, auf die man sich einfach verlassen kann. Ich könnte Ihnen noch lange davon erzählen. Aber wenn ich es auf den Punkt bringen müsste, dann so: Jeder Mensch, der nach der Schrift an Jesus glaubt, geht mit ihm seinen ganz eigenen, persönlichen Weg. Und genau darin begegnen wir einander – wir lernen voneinander, wir gehen ein Stück gemeinsam weiter. Mein Glaube heißt nicht, dass mir Not, Leid oder schwere Zeiten erspart bleiben. Das wäre eine schöne Illusion, aber keine Wahrheit. Er bedeutet vielmehr eine Gewissheit, die ich immer wieder neu einüben darf: Ich bin den Umständen – den äußeren wie den inneren – nicht einfach ausgeliefert. Ich vertraue stattdessen der Liebe des dreieinigen Gottes, der mein Leben von Anfang bis Ende in seiner Hand hält.
Was das mit Bach und Händel zu tun hat
Und jetzt schlage ich noch einen Bogen, der mir am Herzen liegt – zur Musik. Ich bin überzeugt: Bach hat die Johannes-Passion nicht geschrieben, weil es gerade en vogue war, geistliche Musik zu komponieren. Und Händel hat sein Halleluja nicht vertont, weil ihm eine schöne Melodie einfiel. Beide wussten, mit wem sie es zu tun hatten: mit dem allmächtigen Gott. Einem Gott, der nicht fern und abstrakt ist, sondern gegenwärtig. Der handelt, der redet, der uns sein Wort geschenkt hat. Der uns das Kreuz von Golgatha gab, damit wir erlöst sind und nicht unter seinem Zorn bleiben müssen. Vielleicht hören Sie diese Musik das nächste Mal mit anderen Ohren. Für mich klingt in diesen Werken etwas mit, das mein ganzes Leben trägt: die Gewissheit, dass dieser Gott nicht fern ist, sondern da – gestern, heute und an jedem Tag, der noch kommt.




















