Veranstaltungen

    VERANSTALTUNGEN
    oder
    Di 25.04
    19:00 Uhr
    Kammermusiksaal
    Eintritt frei
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    György Kurtág: Kafka-Fragmente
    Viktoriia Vitrenko, Sopran & Mark Johnston a.G., Violine

    György Kurtág
    Kafka-Fragmente
    für Sopran und Violine
    opus 24

    Viktoriia Vitrenko, Sopran
    Mark Johnston a.G., Violine
    Bernd Schmitt, Regie

    Noch spielen die Jagdhunde im Hof,
    aber das Wild entgeht ihnen nicht, so
    sehr es jetzt schon durch die Wälder jagt.


    Zur Inszenierung
    Fünfzehn der insgesamt vierzig Fragmente von Franz Kafka beinhaltet der erste Teil der Inszenierung.  Der Sopran –ein Art Alter Ego Kafkas, gekleidet in schwarze Hose und weißes Hemd-  steht dem Geiger im roten Kleid, der „Braut“ gegenüber. Die schwarz/weiße Welt von Licht und Schatten und das minimalistische Spiel der Darsteller beleuchten in einer übersteigerten Aura des Expressionismus Kafkas komplexes Verhältnis zu den Frauen.
                          
    Der zweite Teil, bestehend aus den restlichen fünfundzwanzig Fragmenten, holt die Figur Kafkas in unsere Zeit. Zentraler Punkt der Erzählung ist nun die Frage der totalen Überwachung.
    Sowohl von außen durch eine Art „großen Bruder“, abgeleitet aus Kafkas Richter- und Vaterfiguren, wie auch durch die Selbstbeobachtung im Sinne einer permanenten zerstörerischen Selbstanalyse, wird
    auch Kafkas reflexartige Körper-Fixiertheit zum Thema. Die  Klarheit des schwarz/weißen ersten Teiles ist einer Flut von Farben und technischer Aufrüstung gewichen. Auf der Leinwand erscheinen vorproduzierte Videos- überlagert und verzahnt mit den Bildern einer von den Darstellern bedienten Live-Kamera. Die Braut ist verschwunden. Kafka bleibt allein mit sich und seinem Körper.

    Von einem gewissen Punkt an
    gibt es keine Rückkehr mehr.
    Dieser Punkt ist zu erreichen.


    Durch die Besetzung mit Sopran und Violine enthält sich Kurtág der Möglichkeit Kafkas Fragmente über raffinierte Instrumentalfarben bunt zu tapezieren. Wie ein Schatten des Soprans, wie eine in den Raum ausgebreitete menschliche Stimme, wie ein Widerpart oder Spiegel führt die Violine die in musikalische Substanz verwandelte Thematik der Fragmente zurück in die Gesangsstimme. Solcherart ineinander verwoben, ineinander hineingewachsen gelingt es Kurtág mit extrem reduzierten Mitteln ein überaus konzentriertes Substrat kafkaschen Denkens und Fühlens hörbar zu machen.
    (Bernd Schmitt)