Veranstaltungen

    Veranstaltungsausfall bis einschließlich 20. Dezember 2020

    VERANSTALTUNGEN
    oder
    Do 16.01
    18:30 Uhr
    Seminarraum 8.28
    Eintritt frei
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    Wissenschaft am Abend #29
    Das Tonstudio als diskursiver Raum – von Edison bis heute

    Im Vortrag sollen einige Überlegungen zu der Frage vorgestellt werden, was auf die Ästhetik einer Tonaufnahme Einfluss hat. Welche Personen, Ereignisse und Diskurse zeichneten hierfür verantwortlich und wie wirkte sich dies auf die Tonaufnahme aus? Der Vortrag thematisiert einerseits Forschungsergebnisse aus dem Detmolder DFG-Projekt „Technologien des Singens“, zu dem ich im September 2019 meine Monographie „The phonograph is not an opera house“ publiziert habe. Anhand von Quellen aus dem Archiv von Thomas Alva Edison (New Jersey/USA), dem Sony Archive (New York) und dem Archiv der EMI (London) soll veranschaulicht werden, dass sich schon die frühe Tonaufnahme und ihr klangliches Ergebnis ganz wesentlich von dem musikalischen Geschehen unterschied, das auf der Bühne stattfand. Anderseits sollen im Vortrag Überlegungen vorgestellt werden, die mit meinem seit März 2019 an der TU Berlin laufenden DFG-Forschungsprojekt „Das Tonstudio als diskursiver Raum“ zusammenhängen. Skizzenhaft möchte ich verdeutlichen, dass weder die Tonaufnahme als solche noch die an ihr beteiligten Techniker und Künstler im ,luftleeren Raumʻ schweb(t)en. Vielmehr waren und sind sie vielfach in die Diskurse ihrer Zeit (also auch der heutigen Zeit) eingebunden. Alles, was im Zusammenhang mit dem Tonaufnahmeprozess gewusst (oder nicht gewusst), getan (oder nicht getan) wird, präformiert und beeinflusst ihn und alle daran Beteiligten. „Die“ Ästhetik einer Tonaufnahme kann es folglich nicht geben. Was als schön, gut und richtig empfunden wird und wie man dabei vorgehen soll, war schon immer den Moden und Möglichkeiten der Zeit unterworfen. Die Tonaufnahme bleibt daher ein Phänomen, dass sich für die wissenschaftliche Untersuchung in höchstem Maße lohnt.

    Dr. Karin Martensen studierte Historische Musikwissenschaft an der Universität Hamburg; Promotion an der HMTM Hannover. 2016–2019 Projektleiterin des DFG-Projekts „Technologien des Singens“ in Detmold. Seit März 2019 DFG-Projekt „Die Tonaufnahme als diskursiver Raum“ an der TU Berlin/Fachgebiet Audiokommunikation (Eigene Stelle).

    Forschungsschwerpunkte: Technikgeschichte; Historische Frauenforschung.

    Publikationen (Auswahl): „The phonograph is not an opera house“. Quellen und Analysen zu Ästhetik und Geschichte der frühen Tonaufnahme am Beispiel von Edison und Victor (= Technologien des Singens 1, hrsg. von Rebecca Grotjahn, Malte Kob und Karin Martensen), München 2019; „Überlegungen und Interviews zum Einsatz von Aufnahmetechnik und zur ​,Gruppenleistung Tonaufnahmeʻ im Bereich der Klassischen Musik“, in: Acta Musicologica 2/2017, S. 145–170; „Mensch und Maschine in den Laboratorien Thomas Alva Edisons. Ein Beitrag zur Technikhistorie aus musikwissenschaftlicher Sicht“, in: Technikgeschichte, Bd. 85 (2018), S. 149–172; „Being Isolde. The Theory and Practice of Anna Bahr-Mildenburg“, in: The Wagner Journal 13, 1 [März 2019], S. 38–46.