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    VERANSTALTUNGEN
    oder
    Sa 07.12
    17:00 Uhr
    Orchesterprobenraum
    Prof. Dr. Elena Ungeheuer und Prof. Dr. Andreas Meyer
    Eintritt frei
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    Buchvorstellung
    Musik-Konzepte 186 / Marco Stroppa

    Musik-Konzepte 186 | Marco Stroppa
    Hrsg. v. Ulrich Tadday | edition text + kritik VIII/2019
    mit Prof. Dr. Elena Ungeheuer (Universität Würzburg),
    Prof. Dr. Andreas Meyer (HMDK Stuttgart)

    Marco Stroppa (*1959)
    gla-dya (2006-7, rev. 2014)
    Études sur les rayonnements jumeaux
    für zwei Hörner
    Studierende der Hornklasse Prof. Christian Lampert

    Der Komponist Marco Stroppa (*1959) schafft seine Werke wie ein Architekt: Jeder kleine Baustein muss berechnet und perfekt positioniert sein, damit seine kunstästhetische Vision sich bestens entfalten kann.

    Die Autoren des Bandes (Elena Ungeheuer, Giacomo Albert, Pascal Decroupet, Giordano Ferrari, Arshia Cont, Jean Bresson, Marco Stroppa) beschäftigen sich mit den Grundsätzen und der Organisation der Musikarchitektur Stroppas, seiner Vorstellung vom musikalischen Raum und seinem komplexen Begriff elektronischen Komponierens. Varianten seiner Formkonzepte stellt der Komponist Stroppa außerdem selbst vor. Darüber hinaus werden eine Reihe von Einzelwerken zur Sprache gebracht, darunter kleinere wie "Moai", ein Stück aus "Miniature Estrose, Primo Libro" (1991–2002) für Klavier, und größere wie das Orchesterstück "Hiranyaloka" (1994). Ein weiter Bogen spannt sich von Stroppas erster Radio-Oper "Proemio" (1990) bis hin zu seiner neuesten Oper "Re Orso" (2012). Und die Analyse des elektronischen Parts zu "Traiettoria" für Klavier und computergenerierte Klänge (1982–84) zeigt darüber hinaus, dass dramaturgische Aspekte auch in Stroppas Instrumentalmusik eine Rolle spielen. Auf diese Art gewährt der Band einen Einblick in die Werkstatt des Komponisten, macht die Komplexität seiner Werke erfahrbar und lässt gleichzeitig die tiefe Bewunderung für die filigranen klanglichen Resultate spüren.

    VORWORT
    Thema des Bandes sind die Grundsätze und Organisation der Musikarchitektur Marco Stroppas, seine Vorstellung vom musikalischen Raum und sein komplexer Begriff des elektronischen bzw. computergestützten Komponierens. Computergestütztes Komponieren ist allerdings ein relativ unbestimmter Begriff, der weder einem Musikstil noch einer Gattung entspricht oder eine Klangspezifik bezeichnet. Marco Stroppa schlug hier seinen künstlerischen Weg ein, der umso gradliniger wurde, je mehr er das allgemeine Unspezifische des Begriffs als sein persönliches Spielfeld betrachtete. Da dieser Weg von den ersten Anfängen der kompositorischen Arbeit mit Computern bis heute reicht, ist er als Pionier wie als Experte des computergestützten Komponierens anzusprechen.

    Innerhalb des vorliegenden Bandes wird eine Reihe von Einzelwerken zur Sprache gebracht, darunter kleinere wie »Moai«, ein Stück aus Miniature Estrose, Primo Libro (1991–2002) für Klavier und größere wie das Orchesterstück Hiranyaloka (1994). Ein weiter Bogen spannt sich von Marco Stroppas erster Radiooper, Proemio (1990) bis hin zu seiner neuesten Oper, Re Orso (2012). Und die Analyse des elektronischen Parts zu Traiettoria für Klavier und computergenerierte Klänge (1982–84) zeigt darüber hinaus, dass dramaturgische Aspekte auch in Stroppas Instrumentalmusik eine Rolle spielen. Auf diese Art gewährt der Band einen Einblick in die Werkstatt des Komponisten, macht die Komplexität seiner Werke erfahrbar und lässt gleichzeitig die tiefe Bewunderung für die filigranen klanglichen Resultate spüren.

    Einleitend nimmt Elena Ungeheuer die Herausforderung an, einen Gesamtblick auf Stroppas Denk- und Schaffensuniversum zu werfen, ein Unterfangen, das angesichts der gegebenen kompositorischen Komplexität eigens gewürdigt werden will. Im Anschluss daran widmet sich Giacomo Albert der musikalischen Form Stroppas als einer vielschichtigen dramatischen Struktur, die sich im Laufe der letzten fünfzehn Jahre gewandelt hat. Ausgehend von der Diskussion einiger früher theoretischer Beiträge Stroppas zu Traiettoria (1982–84) konzentriert sich der folgende Aufsatz Pascal Decroupets dann auf analytische Betrachtungen zum Stück »Moai« aus den Miniature estrose (ab 1991) für Klavier sowie den Beginn der Orchesterpartitur Hiranyaloka (1993–94), der auf dieser Miniatur gründet. An Giacomo Alberts Ausführungen knüpft Giordano Ferrari an, indem er Stroppas Weg der musikalischen Dramaturgie nachgeht. Zunächst werden die beiden Radioopern einer näheren Betrachtung unterzogen, das Verhältnis von Text und Musik in Proemio (1990) und die Verwendung von Klang und Stimme in In cielo in terra in mare (1992). Dann werden Stroppas erste Erfahrungen mit der Bühnenperformance betrachtet, um schließlich die entscheidenden Schritte zur Schaffung eines eigenen zeitgenössischen Musiktheaters zu verstehen, die sich in seiner Oper Re Orso (2012) auf der Grundlage der Fabel von Arrigo Boito vollziehen. Der zweite Aufsatz, den Elena Ungeheuer zum Band beisteuert, behandelt Stroppas kompositorischen Umgang mit dem Raum. Nach Ungeheuer könnte man Stroppa auch als Pionier der Klangspatialisierung bezeichnen, der avant la lettre schon immer den Raum als Klangparameter kompositorisch verarbeitet hat.

    Korrespondierend dazu kommt der Komponist selbst zu Wort: Marco Stropppa führt in sein Konzept multipler Formen ein und gibt damit zugleich eine musiktheoretische Fundierung seiner kompositorischen Arbeit. Zum Abschluss des Bandes stellt das Autorenkollektiv Elena Ungeheuer, Marco Stroppa, Arshia Cont und Jean Bresson den Komponisten Marco Stroppa als eine führende Figur in den heutigen Diskursen über Musiktechnologie vor. Seit Ende der 1980er Jahre am IRCAM tätig, hat er Techniken der computergestützten Komposition vorangetrieben und weiterentwickelt. Der Leser erhält hiermit tiefere Einblicke in Stroppas Konzept des computergestützten Komponierens, in die Programmumgebung seiner kompositorischen Verfahren und in die Wechselwirkungen des Denkens in Musik und Informatik.

    Für die Anregung und Verwirklichung des vorliegenden Bandes ist der Herausgeber in ganz besonderem Maße Elena Ungeheuer zu Dank verpflichtet. Danken möchte er aber auch David Rauh, der zur Realisation des Bandes erheblich beigetragen hat, und nicht zuletzt auch Oliver Wiener. (Ulrich Tadday)