Veranstaltungen

    VERANSTALTUNGEN
    oder
    Mi 25.01
    18:00 Uhr
    Orchesterprobenraum
    Katrin Beck & Prof. Dr. Andreas Meyer
    Eintritt frei
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    Öffentliches Gespräch mit Clytus Gottwald

    in Verbindung mit der Gesellschaft für Musikgeschichte in Baden-Württemberg

    Katrin Beck und Andreas Meyer blicken mit Clytus Gottwald
    zurück auf ein Leben im Brennpunkt der Musikgeschichte

    Clytus Gottwald, geboren 1925 in Bad Salzbrunn (Schlesien), hat das Stuttgarter Musikleben seit den sechziger Jahren besonders als Dirigent geprägt und weit über die Region hinaus Impulse gesetzt. Nach dem Militärdienst (1944) mit anschließender Gefangenschaft in den USA studierte er Gesang (G. Hüsch) und Chorleitung (K. Thomas). Von 1954 bis 1958 war Gottwald Assistent des französischen Chorleiters Marcel Couraud, von 1958 bis 1970 arbeitete er als Kantor an der Paulus-Kirche in Stuttgart. Gottwald studierte evangelische Theologie, Soziologie und Musikwissenschaft in Tübingen (von Dadelsen, W. Gerstenberg) und Frankfurt (Fr. Gennrich, H. Osthoff), wo er 1961 mit einer Dissertation über den Renaissance-Komponisten Johann Ghiselin-Verbonnet promoviert wurde. 1960 gründete er die Schola Cantorum Stuttgart, ein Ensemble von 16–18 Berufssängern, mit dessen Arbeit er das Ziel verfolgte, die Kompatibilität von Neuer Musik und Chormusik wieder herzustellen. Das Ensemble sang bis zu seiner Auflösung 1990 über 80 Ur- und Erstaufführungen und gastierte bei allen Festivals für Neue Musik von Moskau bis New York, von Edinburgh bis Jerusalem. 1972 berief ihn Pierre Boulez in die Planungs-Kommission des zu gründenden IRCAM. Von 1967 bis 1988 war er Redakteur für Neue Musik beim damaligen SDR in Stuttgart. Daneben absolvierte er ein reiches Pensum an Gastdirigaten bei europäischen Radio-Chören (Lugano, Paris, Stockholm, Helsinki, Amsterdam, Kopenhagen u. a.). Von 1961 bis 2004 arbeitete Gottwald als Stipendiat der DFG auf dem Forschungsgebiet musikalische Paläographie. Abgesehen von einigen frühen Kompositionen veröffentlichte er in den späteren Jahren eine Reihe von Transkriptionen für Chor, in denen er vokale Satztechniken der Neuen Musik auf traditionelle Modelle übertrug. Mit großem Erfolg haben sich in den letzten Jahren diese anspruchsvollen Arrangements auf den Chorbühnen der ganzen Welt durchgesetzt. Sein Archiv (Briefe, Partituren) befindet sich in der Paul Sacher Stiftung in Basel.

    Katrin Beck wurde 1982 in Esslingen/Neckar geboren. Sie studierte in Stuttgart und Kopenhagen Schulmusik, Kirchenmusik und Englisch (Abschluss 2008). Ihre Staatsexamensarbeit schrieb sie über das Musikarchiv der Herrnhuter Brüdergemeine in Christiansfeld (Dänemark) als Quelle für kulturellen Austausch. Von 2007 bis 2009 war sie u.a. als Tutorin und Lehrbeauftragte im Fach Musikwissenschaft an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart und an der Universität der Künste Berlin tätig. Katrin Beck arbeitet derzeit an ihrer Dissertation mit dem Arbeitstitel Neue Musik im kirchlichen Raum in den 1950er und 1960er Jahren. Eine Untersuchung zu Clytus Gottwald, Gerd Zacher und Dieter Schnebel.

    Andreas Meyer studierte Violine in Lübeck sowie Musikwissenschaft, Soziologie und Philosophie in Freiburg i.Br. und Berlin. Von 1994 bis 1996 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Musikwissenschaftlichen Seminar der Humboldt-Universität, danach Mitarbeiter der Akademie für historische Aufführungspraxis, Berlin. 1998 bis 2007 Tätigkeit als Institutsassistent bzw. wissenschaftlicher Angestellter am Staatlichen Institut für Musikforschung, Berlin (u.a. DFG-Projekt „Briefwechsel der Wiener Schule“), zugleich Lehrbeauftragter an der Humboldt-Universität (ab 2006 Privatdozent). Im Wintersemester 2005/06 vertrat er eine Dozentur an der Musikhochschule Hannover. Im Sommer 2007 Berufung auf die Professur für Musikwissenschaft an der Musikhochschule Stuttgart. Andreas Meyer wurde 1998 mit einer Arbeit über Ensemblelieder in der frühen Nachfolge (1912-17) von Arnold Schönbergs Pierrot lunaire promoviert. Weitere Veröffentlichungen behandeln u.a. Autorschaft und Einfluss in der Musik, Franz Schubert und Anton Webern, Musik bei Marcel Proust und die Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik. 2005 Habilitation mit einer Arbeit über Musik und Lyrik im 20. Jahrhundert. Andreas Meyer ist Mitherausgeber der Korrespondenz Schönbergs mit Alban Berg, die im Frühjahr 2007 erschien.