Stuttgarter Orgelakademie 2017

    Kursinformationen

     

    HELMUT DEUTSCH
    Liszt und Reubke: Innovation-Revolution-Klangmagie
    Liszts Orgelwerke erschließen Mitte des 19. Jahrhunderts eine völlig andere Art der Behandlung des Instrumentes. Durch die Komposition seines monumentalen Erstlings „Ad nos“ im Jahre 1850 wurden Impulse freigesetzt, die die weitere Entwicklung der Orgelmusik in Deutschland (und Frankreich) maßgeblich beeinflussten.
    Anhand der drei „Hauptwerke“ des Komponisten soll die geniale Innovation einer Mischung aus Klavier-, Orchester- und spezifischer Orgelmusik behandelt werden, die sich zu einer faszinierenden Magie des Klangs formieren. Dabei sollen Fragen wie Tempo, Registrierung, Agogik und Spielweise in einen fruchtbaren Diskurs gestellt werden.
    Die Orgelsonate des Liszt-Schülers Reubke wird immer noch – größtenteils zu Unrecht – als sehr unter Liszts Einfluss stehend angesehen, dabei ist sie in vielen Dingen ein völlig andersartig und sehr eigenständig gefertigtes und zu behandelndes musikalische Gebilde – zudem aufrührerisch und kompromisslos, durch die Einbeziehung eines Rachepsalms revolutionär in ihrer geistigen Haltung des vom Vormärz geprägten Deutschlands.
     
    Franz Liszt:
    Fantasie und Fuge über „Ad nos, ad salutarem undam“
    Präludium und Fuge über B-A-C-H
    Variationen über „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“
    sowie weitere, auch kleinere Werke nach Wahl
    benötigte Edition: Universal Edition Wien
    bitte nicht die Peters-Edition von Straube
                    
    Julius Reubke:        
    Sonate c-Moll  „Der 94. Psalm“
    benötigte Edition: NMW Reprint, Oxford University Press oder Universal Edition
    bitte nicht die Peters-Edition von Hermann Keller

    bitte bei der Anmeldung die zu arbeitenden Werke angeben



    JÜRGEN ESSL
    Annäherung an die Sprache Messiaens über die Klanglichkeit, das tonale und rhythmische Vokabular, Spielen und Hören seiner Werke, improvisierendes Nachvollziehen und Aneignen.
    Improvisation als Grundlage des Komponierens bei Tournemire, „Fresques“ als Arbeitsgrundlage, Harmonik und Linie als Farbe und Fließen verstehen und nachvollziehen.

    Messiaen: Diptyque - La Nativité – Les corps glorieux – L' Ascension – Messe de Pentecote
    Tournemire: L' orgue mystique – Fresques Symphoniques Sacrées op. 75,76 – Symphonie Choral – Symphonie Sacrée
    Improvisation

    bitte bei der Anmeldung Werke angeben



    DAVID FRANKE
    Improvisationskurs „Fin de Siècle“
    - Improvisation im Stil der deutschen Spätromantik, der französischen Symphonik, sowie impressionistische und modale Techniken des 20. Jahrhunderts -

    In der Spätromantik entwickeln sich immer größer dimensionierte Formen von Orgelmusik, geprägt durch einen oftmals stark improvisatorischen Gestus, etwa bei Liszt, Reger oder in der französischen Orgelsymphonik. Die hier zu spürende Suche nach Freiheit führte schließlich bei Claude Debussy zur Abkehr von der romantischen Tradition und, unter dem Eindruck der Pariser Weltausstellung von 1889, zur Hinwendung zu archaischen und außereuropäischen Einflüssen - was sich wiederum stilbildend für französische Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts wie Jehan Alain und Olivier Messiaen auswirkte.
     
    Die Musik dieser Umbruchszeit rund um das Fin de Siècle fordert geradezu zum Improvisieren heraus. Der Kurs richtet sich an fortgeschrittene Improvisatorinnen und Improvisatoren, die Freude daran haben, die entsprechenden Stilistiken, Techniken und Formen kennen zu lernen - und zu entdecken, wie so manches der behandelten musikalischen Mittel schneller zu durchschauen und zu erlernen ist als vielleicht gedacht!



    JÖRG HALUBEK

    Mit den Drucken seiner „Clavierübungen“ hat uns Johann Sebastian Bach autorisierte Visitenkarten in Form virtuoser Kompositionen für Cembalo, womöglich auch das Clavichord und große Orgel hinterlassen. Vor diesem Hintergrund beleuchtet der Kurs die Aufführungspraxis aus dem Blickwinkel dieser drei Tasteninstrumente und den entsprechenden Quellen. Dabei ergänzen sich die Erkenntnisse zur Spielweise wie Artikulation, Rhetorik und Tempogestaltung oder Verzierungen zu einem Bild und inspirieren womöglich zu neuartigen, lebendigen Interpretationen.
    Orgel- und Cembalowerke von J. S. Bach

    bitte bei der Anmeldung angeben



    LUDGER LOHMANN
    Im Jahr des 500. Reformationsjubiläums soll der Blick auf die gerade für die Orgelmusik einschneidenden Folgen der theologischen und musikalischen Vorstellungen Martin Luthers gerichtet werden. Der neuartige Gemeindegesang deutschsprachiger Lieder und die Auseinandersetzung der Orgelkomponisten mit diesen hat die Orgelmusik mehr als jedes andere geistesgeschichtliche Phänomen beeinflusst. Schwerpunkt des Kurses sollen deshalb die Choralbearbeitungen der großen hanseatischen Orgelmeister sein, von Praetorius und Scheidemann bis Böhm und Bruhns.

    Max. 10 aktive Teilnehmer / passiv unbegrenzt



    JOHANNES MAYR
    Grundlagen der Improvisation im Barockstil - Einsteigerkurs
    Komponieren und Improvisieren standen im Renaissance- und Barockzeitalter noch in sehr engem Zusammenhang. Einige Kompositionstechniken sind teilweise direkt von einfachen Improvisationsmodellen abgeleitet. Im Mittelpunkt des Kurses stehen freie Formen, insbesondere Toccata, Ciacona und diverse Tanzsätze wie Sarabande, Menuett, Gigue. Möglichkeiten der choralgebundenen Improvisation werden auf der Grundlage des vierstimmigen Satzes entwickelt.