Stuttgarter Orgelakademie 2019

    Kurse

    PROF. HELMUT DEUTSCH
    Orgel
    Felix Mendelssohn Bartholdy
    „… meine Art, die Orgel zu behandeln …“
    Die sechs Sonaten op.65 sowie die drei Präludien und Fugen op. 37 für Orgel Interpretationsansätze vor dem Hintergrund des musikalisch – kulturellen Umfelds sowie von Selbstzeugnissen des Komponisten.
    Überlegungen zu Phrasierung, Artikulation, Tempo und Registrierung.


    KIT DOWNES
    Orgel
    Improvisation & Jazz
    I will be looking at the way an improviser from my background (jazz and freely improvised music) approaches dealing with an instrument of such history and importance as the organ. We will look at how to manipulate melody through different genres and styles, as well as augmenting ones harmonic and rhythmic palette - to avoid repeating yourself unnecessarily and looking at ways to feel free-er on your instrument, and how to develop a truly personal and expressive approach.


    PROF. JÜRGEN ESSL
    Orgel
    Passacaglia & Chaconne
    Ausgehend von den Kompositionen von Lully, Kerll, Muffat, Biber, Pachelbel, Böhm, Buxtehude und Bach erfolgt eine Annäherung an die Gattung über die Improvisation: Periodik, Übergänge, Figuren, Generalbass,  Stimmführung, Dynamik, Dramaturgie, Form. Die Improvisation steht zwar als Kunst des unmittelbaren Spielens für sich, sie öffnet aber auch den Weg zurück zu den überlieferten Kompositionen und verhilft den Interpreten zu einem vertieftem Verständnis.
    Literatur-Auswahl
    Passacaglien, Chaconnen (und Toccaten) von Kerll, Muffat, Pachelbel, Böhm, Buxtehude, Bach


    PROF. JÖRG HALUBEK
    Orgel / Maestro al Cembalo
    Passacaglia & Chaconne
    Der ostinate Baß gilt als Hauptpfeiler der Vokalmusik des frühen 17. Jahrhunderts und steht als verbindendes Element zwischen der prima und der seconda pratica. Letztere ist vor allem – mit den Worten Monteverdis: durch die Herrschaft des Textes über die Musik gekennzeichnet. Hier knüpft auch Frescobaldi an, wenn er 1615 im Vorwort seiner Cembalo- und Orgeltoccaten empfiehlt, den Takt nach dem Sinn der Worte zu führen – obwohl es hier ja um Instrumentalmusik geht. Um den Zugang zu den beiden heute populärsten Formen der Ostinatobässe – Passacaglia und Chaconne – zu vertiefen, werden in dem Kurs Beispiele aus Monteverdis Opern und Madrigalen
    bis hin zu Bachs kirchenmusikalischen Werken wie das Crucifixus aus der h-moll-Messe eine Rolle spielen. Sowohl zur Interpretation als auch zur Improvisation sollen Satz- und Generalbassmodelle aus dieser Zeit untersucht werden.
    Literatur-Auswahl (Cembalo oder Orgel)
    Passacaglien und Chaconnen von Frescobaldi, Storace, Muffat, Kerll, Pachelbel, Buxtehude, Bach, Couperin, Lulli / d´Anglebert u. a.


    PROF. DR. LUDGER LOHMANN
    Orgel
    Johann Sebastian Bach


    PROF. JOHANNES MAYR
    Orgelimprovisation
    Kurs 1 – Toccata und Canzona im Stil der Renaissance
    Kurs 2 – Was gibt es noch außer Dur und Moll? 50 weitere Skalen …
    Kurs 3 – Variationen im Stil der Wiener Klassik
    (Kurs 1 und 2 sind auch für Einsteiger ohne Improvisations-Erfahrung geeignet)


    PROF. STEFANIA NEONATO DMA
    Fortepiano
    Die Wiener Klassik und ihre Ursprünge: Das Hammerklavier und sein Erfolg in Europa am Ende des 18. Jahrhunderts.
    Die verschiedenen Richtungen der musikalischen Gattungen, die sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickeln, sind unter anderem den Söhnen Johann Sebastian Bachs zu verdanken. Besonders Carl Philip Emanuel Bachs ,Empfindsamer Stil‘ und Johann Christian Bachs ,Galanter Stil‘ in Verbindung mit dem italienischen gesanglichen Stil haben die drei wichtigsten Komponisten der Klassik, Haydn, Mozart und Beethoven, und ihre Zeitgenossen tief beeinflusst. So entwickelt sich die Mechanik der verschiedenen Hammerklavier-Modelle im gleichen Schritt mit dem Repertoire weiter. In diesem Kurs werden wir Rhetorik, Affektenlehre, technische Neuheiten, ,Topicslehre‘, artikulierte Aussprache im Repertoire der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an dem(n) historischen Instrument(en) im Einzel- und Gruppenunterricht vertiefen.
    Die Hammerklaviersammlung der Musikhochschule umfasst im Moment 6 historische Flügel:
    Andreas Stein, Augsburg (1780 ca.) Nachbau von Michael Walker
    Anton Walter, Wien (1785 ca.) Nachbau von Monika May
    Joseph Boehm, Wien (1825)
    William Stodart, Tafelklavier, London (1830 ca.)
    Erard, Paris (1853)
    Schiedmeyer, Stuttgart (1865)


    TOBIAS WITTMANN
    Orgelimprovisation
    Liedbegleitung in Deutschland
    Improvisationskurs
    Die historische Entwicklung des orgelbegleiteten Gemeindegesangs, exemplarische Vorbilder, traditionelle und innovative Stilistik dienen als Anregung für eigene improvisierte Liedbegleitungen. Wesentliche Aspekte vom atmenden Spiel bis zum liturgischen Kontext bilden den übergeordneten Rahmen. Der Kurs möchte Anfänger motivieren, Fortgeschrittene herausfordern und Routiniers inspirieren.

    Vorträge


    TOBIAS HORN
    08.07., 13.15–13.45 UHR, RAUM 3.01

    Die symphonischen Dichtungen für Orgel von Marcel Dupré (Vision, Psaume XVIII, evtl. auch Evocation): Identität(ssuche) zwischen Weltruhm und Weltkrieg, zwischen Romantik und Neuer Musik
    Marcel Dupré: eine legendäre und auch nicht unumstrittene Größe der Orgelwelt. Neben Stücken, die längst zu „Klassikern“ der Orgelliteratur geworden sind, hat er Werke geschrieben, die auch heute – nicht zuletzt wegen ihrer spieltechnischen Anforderungen – weitgehend unbekannt sind und so gut wie nie aufgeführt werden. Ein gutes Jahrzehnt nach „Le Chemin de la Croix“ (1931) hat Dupré drei umfangreiche Werke komponiert, die am ehesten als Symphonische Dichtungen bezeichnet werden können. Neben der etwas bekannteren „Evocation“ zeigen „Vison“ und „Psaume XVIII“ aus den 1940er Jahren einen überraschend persönlichen und suchenden Marcel Dupré.


    KMD PROF. JÖRG-HANNES HAHN
    09.07., 13.15–14.00 UHR, RAUM 3.01

    Der junge Bach beim alten Fritz – Carl Philipp Emanuel Bach als Erneuerer der Musik
    Der junge C. P. Bach war bereits mit 24 Jahren Mitglied der Hofkapelle von Friedrich II. Dieser war der Musik bekanntermaßen sehr zugetan, jedoch war er mit dem jungen Genie und dessen Musik nicht immer einverstanden. Musikalischer ,Sturm und Drang‘ war nicht die Sache des ,Alten Fritz‘ – wohl aber die vieler Zeitgenossen C. P. E. Bachs!


    DR. MARKUS UHL
    10.07., 13.15–14.00 UHR, RAUM 3.01

    Timing ist die halbe Miete – Über Orgelimprovisation im Gottesdienst
    Das liturgische Geschehen ist ein komplexer Handlungsstrang, zu dem sich die Musik im Gottesdienst verhalten muss. Im Vortrag soll theoretisch und praktisch aufgezeigt werden, wie die Musik im Idealfall perfekt zur Handlung passt und trotzdem eigenständig bleibt.


    JOHANNES FIEDLER
    11.07., 13.15–13.45 UHR, RAUM 3.01

    „Über Freiheit und Fantasie: Mozart zwischen den Stühlen“ – Transponierende Präludien in Konzertprogrammen der Klassik und ihre Vorläufer.
    Zu Mozarts Zeiten war der tonale Zusammenhang einzelner Stücke von großer Bedeutung. Dazu wurden oft transponierende Stücke als Überleitung benutzt, eine Praxis, die auch schon im gottesdienstlichen
    Spiel im 17. Jahrhundert bekannt war. Beleuchtet werden solche von Mozart für seine Schwester Nannerl komponierte Stücke, ebenso Vorläuferwerke und artverwandte Stücke von Bach, Müthel, C.P.E. Bach und anderen sowie deren heutige Bedeutung und Möglichkeiten der Anwendung.