Opernschultreffen

    Veranstaltungen

    Elegie für junge Liebende von Hans Werner Henze


    SO, 16.06.2019, 17 Uhr | Wilhelma Theater 

    „Und der erste Akt ist vielleicht sehr schön geworden, eine neue Musik, ganz frei, ganz weg von allem Vorigen, auch da sieht man, dass Napoli und all das aufhören mussten, und dass ich vielleicht überhaupt ganz einfach frei sein muss, immer, und ich habe auch keine Angst mehr davor.“ Euphorisch vermeldet Henze im Oktober 1960 Ingeborg Bachmann von Berlin Fortschritte seiner Komposition Elegie für junge Liebende.
    Im Mai 1961 wird die „psychologisch nuancierte Kammer­oper“ (Henze) im Schwetzinger Schlosstheater unter der Regie des Komponisten uraufgeführt. Die Partie des Dichters Gregor Mittenhofer interpretierte Dietrich Fischer-Dieskau. Es ist sein siebentes Werk für das Musiktheater.
    Den Librettisten Wystan H. Auden und Chester Kallman gab er zunächst nur folgende Anhaltspunkte als Auftrag: „So erfuhren wir von Henze, noch bevor wir etwas anderes wussten, dass er eine chorlose Kammer­oper für kleine Besetzung und für ein kleines, differenziertes Orchester schreiben wolle, er wünschte sich außerdem einen Vorwurf und eine Atmosphäre, die zarte, schöne Klänge erforderte.“ Nach mehreren Versuchen kristallisierte sich die Handlung um den Dichterfürsten Mittenhofer heraus, der vampirartig seine Umwelt für sein künstlerisches Schaffen benutzt.
    Das Thema der Elegie für junge Liebende lässt sich in zwei Zeilen von Yeats zusammenfassen: „Der Geist des Menschen muss sich entscheiden für die Vollkommenheit des Lebens oder des Werkes“, resumieren Auden und Kallman.
    Alle sechs Figuren leben in und mit einem Wahn. Die Sekretärin Carolina von Kirchstetten erträgt devot alle Erniedrigungen, um ihrem Meister künstlerisches Schaffen zu ermöglichen, der Arzt Wilhelm Reischmann umsorgt stündlich des Künstlers Wohlbefinden. Hilde Mack, eine Witwe, dient ihm nach dem Tod ihres Mannes mit ihren Visionen als Inspiration, die junge Elisabeth Zimmer als Geliebte und Muse. Die Ankunft des Arztsohnes Toni Reischmann wirkt katalytisch auf die Beziehungen. Am Ende steht der Tod zweier Liebender, der von Elisabeth und Toni, mittels dessen Mittenhofer sein neues Gedicht, die Elegie, vollenden wird.
    Die enorme Farbigkeit, die Henze aus der kleinen Orchesterbesetzung von 25 Instrumenten erzielt, ist beeindruckend. Jeder Figur des Stückes ist ein Instrument zugeordnet, Hilda Macks Visionen ähneln in ihrer „kristallnen Klanglichkeit“ (Henze) der Wahnsinnszene aus Donizettis Lucia di Lammermoor. Uhrenschlagen und Geräusche thematisieren und gliedern musikalisch die ritualisierte Zeit in dem Berghotel, in dem Mittenhofer jährlich residiert. Die Gesangspartien fordern ebenso schillernde Farbigkeit wie Nuancenreichtum.
    „In früheren Inszenierungen dieser Oper, auch denen, die ich selber gemacht habe, ist die Künstlichkeit der Form nicht ausreichend zum Vorschein gebracht worden, aber nur, wenn sie in beträchtlichem Maße evident gemacht wird, können die Reibungen zwischen Farce, Tragödie, Opera buffa und Psychodrama verstanden und genossen werden (…) was sich abspielt um den Geburtsprozess (Anm.: eines Gedichtes) herum an Groteskem, Lächerlichem, Vulgären, Bösartigem, Gemeinem, dient dazu, die Figur des Künstlers als Helden, dieses Konzept vom Heldenleben in Frage zu stellen, wie es das 19. Jahrhundert geschaffen hat und wie es das 20. Jahrhundert noch nicht vollständig losgeworden ist“, notiert Henze anlässlich der Edinburger Inszenierung.
    Die komplexe Tiefenpsychologie der Kälte menschlicher Beziehungen und Abhängigkeiten darzustellen, ist eine szenische Herausforderung für junge Sängerdarsteller*innen. Neben der Hinterfragung des Absolutheitsanspruch des Künstlers werden in der Elegie Kommunikationsunfähigkeit und nicht zuletzt die Schuldfrage Mittenhofers thematisiert.
    Henze hat in dieser Kammeroper nicht nur ein subjektiv-psychologisierendes Einzelschicksal, sondern einen menschlichen Konflikt mythischer Dimensionen vertont.
    Wieweit kann, soll, darf der*die Künstler*in für seine Kunst gehen? Leben und Kunst? Oder Kunst=Leben? Leben oder Kunst? Nutzt und benutzt der*die Kunstschaffende andere Menschen, Kolleg*innen zur Durchsetzung seiner Interessen? Bereits im Studium stellen sich gerade für die jungen Künstler*innen diese grundsätzlichen Fragestellungen. Welchen Stellenwert Kunstausübung im Leben einnimmt, ist eine der wesentlichsten und weitreichendsten Entscheidungen.


    Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart

    Musikalische Leitung Bernhard Epstein
    Inszenierung
    Kornelia Repschläger
    Bühne
    Alexandre Corazzola
    Kostüme
    Ralf Christmann
    Choreografie
    Nico Mascia
    Orchester
    Studierende der HMDK Stuttgart

    „Schau mich an!“ Musiktheater. Uraufführung.

     

    DI, 18.06.2019, 19 Uhr | Wilhelma Theater 

    Warum, fragt sich der Erzähler in Der Kabalist vom East Broad­way (1974) des Literaturnobelpreisträgers Isaac B. Singer, gibt sich der alte Mann aus dem Café in New York mit einem kargen und einsamen Leben im Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten zufrieden, wo er doch in Israel ein gefeierter Gelehrter sein könnte? Und wer schaut ihn dabei wirklich noch an?
    Warum verdreht die Zauberin Alcina in Georg Friedrich Händels gleichnamiger Oper (1735), die Gefühle und Gewissheiten aller zu einem Alles-ist-möglich, immer, mit jeder und mit jedem, so dass am Ende niemand mehr weiß, was wahr ist, wahr war und wahr sein wird? Und wer schaut Alcina dabei hinter die Fassade?
    Und warum verliert das erzählende Ich in Ingeborg Bachmanns Roman Malina (1971) ebenso sehr den Kontakt zu sich selbst wie zu ihrem gesamten Umfeld und entgleitet, von Beziehungen nur noch träumend, sich und der Welt in einen schwermütigen Dämmerzustand. Und wer schaut zu und kann sie retten?

    Schau mich an! verwebt drei sehr unterschiedliche literarische und musikalische Vorlagen zu einem Musiktheater, das sich die formale und ästhetische Identitätsfrage ebenso stellt wie seine handelnden Figuren. Größenwahnsinnige Selbstentwürfe, lähmende Projektionen, verpasste Begegnungen und der Kampf um die Konstruktion einer Identität wie auch ihr Verlust, beschäftigen Protagonist*innen und Autor*innen dieser Kreation gleichermaßen. Schau mich an!

    Celine Steiner und Ruslan Khazipov, zwei Kompositionsstudierende an der Freiburger Musikhochschule bei Prof. Brice Pauset, stellen sich mit ihren Vertonungen der Texte von I. B. Singer und I. Bachmann als Musiktheaterkomponist*in vor. Mit Johann Diel, Studierender an der Akademie für darstellende Kunst Baden-Württemberg und Körber-Studio-Teilnehmer, entwickelt und inszeniert ein vielversprechender, junger Regisseur dieses Stück. Die musikalische Leitung hat Prof. Brice Pauset, es spielen und singen Studierende der Hochschule für Musik Freiburg.


    Eine Koproduktion des Theater Freiburg, der Hochschule für Musik Freiburg und der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit der ABK Stuttgart

    Musikalische Leitung
    Brice Pauset
    Inszenierung
    Johann Diel
    Bühne
    Lynn Scheidweiler, Paula Mierzowsky
    Kostüme
    Valentina Dolce
    Licht
    Dorothee Hoff
    Orchester
    Studierende der Hochschule für Musik Freiburg

    Reigen von Philippe Boesmans

     

    DO, 20.06.2019, 19 Uhr | Wilhelma Theater 

    Reigen ist eine Oper (Originalbezeichnung: „opéra en dix dialogues“) des belgischen Komponisten Philippe Boesmans mit einem Libretto von Luc Bondy nach Arthur Schnitzlers gleichnamigem Drama. Die Uraufführung erfolgte 1993 im Théâtre de la Monnaie Brüssel. 2004 orchestrierte Fabrizio Cassol die Oper für ein Kammerensemble mit zwanzig Spielern neu. Diese Fassung wird auch in der Produktion des Instituts für Musiktheater der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim unter der Leitung von Cosima Sophia Osthoff zu hören sein.

    Die zehn Szenen der Oper schildern zehn kurze Treffen von zehn Personen, die jeweils zu einer sexuellen Vereinigung führen. Sie zeichnen ein Bild der Moral in der Gesellschaft des Fin de siècle und durchwandern dabei in einem Reigen alle sozialen Schichten vom Proletariat bis zur Aristokratie. Dabei werden die Partner jeweils weitergereicht: zuerst trifft sich die Dirne mit dem Soldaten, dann dieser mit dem Stubenmädchen, das Stubenmädchen mit dem jungen Herrn usw., bis der Graf zuletzt wieder auf die Dirne trifft. Machtkampf, Verführung, Sehnsucht, Enttäuschung und das Verlangen nach Liebe stehen dabei jeweils im Vordergrund des Geschehens.

    Das Schauspiel von Arthur Schnitzler löste nach seiner Uraufführung 1920 sowohl in Berlin als auch in Wien einen Theaterskandal aus und führte dazu, dass Schnitzler ein Aufführungsverbot für das Stück verhängte, das bis zum 1. Januar 1982 andauerte. Philippe Boesmans gelingt es mit seiner Komposition, das Groteske und Absurde sowie das traurig-komische Element dieser Szenen pointiert zu unterstreichen und musikalisch zu überhöhen.


    Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim

    Musikalische Leitung Cosima Osthoff
    Inszenierung Andreas Baesler
    Bühne und Kostüme Ruth Groß
    Licht Stefan Bolliger
    Video Philipp Ludwig Stangl und Jonathan T. Schmieding
    Sinfonieorchester der Musikhochschule Mannheim 

    Wind und Hunger


    FR, 21.06.2019, 18 Uhr | Haus der Geschichte

    Ein Projekt des STUDIOs FÜR STIMMKUNST UND NEUES MUSIKTHEATER, Leitung: Prof. Angelika Luz
    und des STUDIOs NEUE MUSIK, Leitung: Christof M Löser

    

Die Welt als apokalyptisches Endstadium des Kapitalismus mit unumkehrbarem gesellschaftlichem Verfall bildet die bedrohliche Kulisse für die Darstellerinnen und Darsteller, die sich auf der Flucht befinden. Teile aus Gerhard Stäblers Musiktheater „Letzte Dinge“ von 2007, das er nach Motiven des Romans „In the Country of Last Things“ von Paul Auster entwickelt hat, bilden den ersten Teil des Abends im Museums-Foyer.

Im zweiten Teil folgen wir einer Gruppe von ca. 12 jungen Menschen aus ca. 8 Ländern, die an der HMDK Stuttgart im Master Neue Musik studieren, in die Ausstellung „Vertrauensfragen“. Diese aufnehmend, beschäftigen sie sich im Kollektiv des LABORs Aufführungspraxis Neue Musik mit Demokratiefragen heute und vor 100 Jahren, individuellen und gesellschaftlichen, politischen und künstlerischen. Weniger geht es dabei um ein werkartiges Ergebnis als vielmehr um den kollektiv-künstlerischen Produktionsprozess selbst, seine Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen, die Kon- und Dissonanzen – „Vertrauensfragen” – in der Gruppe und schließlich um die Reflexion und Dokumentation eines Zwischenstandes dieser experimentellen Selbstuntersuchung.


    Teil I im Foyer:

    Gerhard Stäbler (*1949)
    Schwellen (2017) Eine Phantasie
    Audio-Visuelles Triptychon für Stimme solo
    Emily Thorner, Performance

    Gerhard Stäbler
    Letzte Dinge (2007)
    Konzertante Aktion für Sopran, Mezzosopran, Bariton, Schlagwerk und Zuspielung
    Libretto nach Motiven des Romans „In the Country of the Last Things“ von Paul Auster:
    Alexander Jansen/Hermann Schneider
    2. Bild: Wind und Hunger
    3. Bild: Barrikaden
    4. Bild: Zaubersprüche
    5. Bild: Todesarten

    Theresa Szorek / Dora Garcidueñas / Kanae Mizobuchi / Cong Wei / Diatra Zulaika / Johannes Schropp, Stimme
    Héloïse Barsotti, Perkussion
    Laima Priedite, Elektronik
    Theresa Szorek, Mitarbeit Organisation
    Angelika Luz, Einstudierung und Szene

    Gerhard Stäbler
    AusBlicke? (2015) für Sopran und Schlagzeug
    Dora Garcidueñas Sopran


    Teil II:

    ¿change!
    kolLABORatives Projekt

    in der Ausstellung VERTRAUENSFRAGEN – Der Anfang der Demokratie im Südwesten 1918–1924
    im Haus der Geschichte Baden-Württemberg 20.09.2018–11.08.2019

    mit
    Gerhard Stäbler (*1949)
    CHANGE!
    Musiktheater-Tools für eine Sprecherin oder einen Sprecher (2013)

    inklusive
    mediale Installation
    von Andrea Conangla und Rui Ribeiro (als Gast)
    entwickelt im LABOR Aufführungspraxis
    Neue Musik der HMDK Stuttgart
    von Andrea Conangla, Dora Isel Garcidueñas, Andreas Lang, Jana Luksts, Kanae Mizobuchi, Delia Ramos Rodríguez, Cong Wei
    Leitung LABOR: Christof M Löser


    Haus der Geschichte | Sonderausstellung | Karten an der Abendkasse
    Kosten: € 5 / erm. € 3 (inkl. Eintritt) / Studierende und Lehrkräfte der HMDK: frei

    The turn of the screw von Benjamin Britten

     

    SA, 22.06.2019, 19 Uhr | Wilhelma Theater 

    Libretto von Myfanwy Piper nach einer Novelle von Henry James

    Was für eine Vokalise! Irisierend dringt sie an unser Ohr, lässt sich in keine Ton­art einordnen, in kein rhythmisches Korsett. Frei ausschwingend, fällt sie aus der Zeit, ist ganz sie selbst, fremd und verlockend. Ist es eine innere Stimme, die wir da hören? Sirenenhaft, unwirklich, gefährlich?
    Benjamin Britten lässt das in seiner 1954 uraufgeführten Oper The turn of the screw offen. Eigentlich wird hier nur ein Junge beim Namen gerufen. Doch die Art, wie das geschieht, holt die Situation ins Unwirkliche. Es ist der Gesang, der dieses Umkippen ermöglicht. Und es ist die Kunst des gro­ßen britischen Komponisten, mit der menschlichen Stimme umzugehen. In der literarischen Vorlage von Henry James bleiben die Gespenster stumm. Nun können sie nicht nur sprechen, sondern sie entführen uns singend in ein Kaleidoskop, das die Grenzen zwischen Sehnsucht und Angsttraum, Erinnerung und Phantasie, Innen und Außen aufhebt.
    The turn of the screw ist zweifellos einer von Brittens kühnsten Entwürfen: Nicht nur, weil er das Thema der verlorenen Unschuld, der verlorenen Sicherheit und Geborgenheit aufgreift. Musiktheater verwirklicht sich hier als Theater aus Musik, das keine Botschaften formuliert, sondern unser Bewusstsein erweitert. Ein Theater der präzisen Unschärfe, das Wahrheit und Wirklichkeit in Frage stellt. So ist The turn of the screw in mehrfachem Sinn ein Stück, das uns heute angeht, das uns fordert angesichts zerfallener Werte und multipler Identität. 


    Hochschule für Musik Karlsruhe

    Musikalische Leitung
    Alois Seidlmeier
    Inszenierung
    Andrea Raabe
    Bühne und Kostüme
    Julia Schnittger
    Choreographie
    Paz Montero
    Dramaturgie
    Stephan Mösch
    Orchester
    der Hochschule für Musik Karlsruhe

    Ermöglicht durch die

    In stile rappresentativo – ein Monteverdi-Pasticcio

     

    SO, 23.06.2019, 19 Uhr | Wilhelma Theater 

    Der Ausgangspunkt unserer Inszenierung ist eine rhetorische Figur, die im alltäglichen Gebrauch relativ belanglos erscheint, im Gestaltungsprozess einer ba­roc­ken Oper aber ein machtvolles Stilmittel ist: das Oxymoron. Bittersüß, traurigfroh, alter Knabe – hier treffen zwei sich vermeintlich ausschließende Gegensätze aufeinander und erzeugen eine sprechende Spannung. In der Natur beobachten wir die Entladung gewaltiger elektrischer Spannungen in Form von Blitz und Donner. Gegensätze sind die Grundlage aller Rhythmen, Bewegung und Musik. Das gesamte irdische Leben und der Kosmos werden von polaren Rhythmen bestimmt, womit wir mitten im Barocktheater sind: Es erzählt vom menschlichen Leben im Spannungsfeld elementarer Naturgewalten, göttlicher Mächte und widerstrebender Affekte. Das Erzählen findet auf allen künstlerischen Ebenen statt, es nutzt Sprache und Poesie, überführt sie in Musik, Klänge und Gesten, diese entfalten sich im Tanz, der seinerseits im Raum des Bühnenbildes mit Architektur, Malerei und Plastik einen vielschichtigen Dialog eingeht. Das ist die einzigartige Kunstform Oper, wie sie zur Zeit Monteverdis entsteht, im 17. und 18. Jahrhundert zahlreiche Meisterwerke hervorbringt und in einer vierhundertjährigen Erfolgsgeschichte in schier unendlichen Abwandlungen bis heute von Mensch, Welt und Kosmos erzählt.In der konkreten künstlerischen Arbeit gehen wir von den Gegebenheiten unserer Hochschule aus: Das Institut für Alte Musik erarbeitet die Musik, den Gesang, erforscht die barocken Bühnensprachen Tanz, Gestik und Schauspiel. Zusammen mit der Abteilung Music and Movement wird dieses Gerüst in intensiven Proben verfeinert, erweitert und auf die Bühne gebracht, deren visuelle Dimensionen vom Landeszentrum für Musik-Design-Performance gestaltet werden. Das Landeszentrum arbeitet mit modernsten digitalen Mitteln, mit Videotechnik, digitaler Szenografie, Virtual Reality und Audiotechnik, es bildet so einen starken Gegenpol zur historischen Aufführungspraxis des Instituts für Alte Musik. Hier schließt sich der Kreis zum Oxymoron. Die moderne Technik ist bei näherem Hinsehen kein Fremdkörper zur Ästhetik der Monteverdi-Zeit, sondern ein Gegenpol, der ausdrucksstarke Spannungen erzeugen kann. Und sie kann sich subtil in das Barocke einbinden. Barocktheater liebt das Trompe-l’œil und ephemere Phantasiewelten, die mit allen Mitteln der Kunst von den großen Menschheitsthemen handeln. Das ist nahe verwandt mit den virtuellen Welten unserer Zeit. So ist es unser Ziel, die Studierenden auf eine Reise zu schicken, kreuz und quer durch diese Spannungsfelder und sie in der Aufführung im Wilhelma Theater mit den Mitteln, die Monteverdi und seine Zeitgenossen entwickelt haben, von den gro­ßen Themen Liebe, Tod, Erlösung, Mensch und Kosmos erzählen zu lassen.


    Staatliche Hochschule für Musik Trossingen

    Musikalische Leitung
    Marieke Spaans, Jan Van Elsacker
    Inszenierung
    Bernd Niedecken
    Historische Gestik
    Deda Cristina Colonna
    Choreografie
    Bernd Niedecken, Deda Cristina Colonna
    Digitale Szenografie
    Dagmar Vinzenz, Thorsten Greiner
    Komposition für digitale Medien
    Ludger Brümmer
    Instrumental- und Vokalensemble
    Studierende der Musikhochschule Trossingen