Geschichte der Hochschule

    Die älteste Musikhochschule Baden-Württembergs und viertälteste Deutschlands wurde bereits 1857 gegründet. Sie hieß zunächst „Konservatorium für Musik“, ab 1869 „Königliches Konservatorium für Musik“, was auf eine Förderung durch den württembergischen König schließen lässt sowie ab 1921 – nach Einführung der Republik – „Württembergische Hochschule für Musik“. Sie war in den ersten Jahrzehnten sowohl eine Ausbildungsstätte für professionelle Musiker als auch eine Musikschule in Form der sogenannten „Dilettantenklasse“; erst 1921 kam es zur Trennung beider Teile und der Konzentration auf die Hochschulausbildung.

    Bereits im 19. Jahrhundert bildete sich in Stuttgart eine eigene Pianistenschule auf der Grundlage eines damals viel benutzen Lehrbuchs Stuttgarter Konservatoriumslehrer heraus (Lebert/Stark: Große praktisch-theoretische Klavierschule). In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts waren gleich zwei namhafte Pianisten Direktoren dieser Institution, nämlich Prof. Max Pauer (1907-1924) sowie Prof. Wilhelm Kempff (1924-1929). 1938, unter dem Direktorat des Geigers Prof. Carl Wendling (1929-1940), wurde die Hochschule verstaatlicht und damit auch finanziell auf eine dauerhaft sichere Basis gestellt.

    Der Zweite Weltkrieg traf die „Staatliche Hochschule für Musik“ schwer; sie verlor nicht nur ihr Unterrichtsgebäude, die Villa Schönlein am Urbansplatz, sondern musste vorübergehend sogar nach Trossingen ausgelagert werden, wo sie dank der Unterstützung der Fa. Hohner bis 1946 eine Bleibe fand. Nach Jahren der provisorischen Unterbringung konnte 1955 – ebenfalls am Urbansplatz – endlich ein adäquater Neubau bezogen werden. Doch erwies sich auch dieses Gebäude bald als zu klein, da die Studierendenzahlen innerhalb weniger Jahre auf mehr als 900 anstiegen. Im Rahmen der Bebauung der sogenannten „Kulturmeile“ wurde deshalb in den 1980er Jahren im Zusammenhang mit dem Erweiterungsbau der Staatsgalerie auch ein Neubau für die Musikhochschule geplant. So entstand nach den Entwürfen der britischen Architekten James Stirling und » Michael Wilford ein postmodernes Bauensemble von internationalem Rang, das im Jahr 2002 durch die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts der Musikhochschule seinen Abschluss und seine architektonische Abrundung fand.

    Schon in den Anfängen im 19. Jahrhundert war das Stuttgarter Konservatorium auch ein Ausbildungsort für Schauspieler, doch erst 1942 wurde eine eigene Schauspielschule gegründet. Es war deshalb nur folgerichtig, dass die Hochschule ab 1963 den heutigen Namen „Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst“ erhielt. Doch steht für die Darstellende Kunst nicht nur die Schauspielschule, sondern auch eine sehr traditionsreiche Opernschule, eine weit über die Grenzen des Landes hinaus anerkannte Sprechkunst sowie das 1983 gegründete und in den alten Bundesländern einmalige Figurentheater. Durch die Überlassung des aufwendig restaurierten Wilhelma Theaters (erbaut 1837-1840) verfügt die Hochschule zudem seit 1987 über ein eigenes Theater, das in seiner Außenwirkung einem professionellen Stadttheater nur wenig nachsteht.

    Neben dem baulichen und strukturellen Fortschritt waren die letzten Jahrzehnte auch durch eine personelle und künstlerisch-pädagogische Weiterentwicklung geprägt. Der traditionell sehr starke Bereich der Kirchenmusik wurde unter dem Direktor Prof. Dr. Hermann Keller (1946-1952) weiter ausgebaut; mit insgesamt 11 Orgeln zählt die Hochschule heute zu den für die Kirchenmusik und das konzertante Orgelspiel am besten ausgestatteten Musikhochschulen in Deutschland. Aus der Stuttgarter Hochschule sind zahlreiche namhafte Komponisten hervorgegangen, von denen Prof. Helmut Lachenmann aus der jüngsten Vergangenheit der bekannteste ist. Ein hervorragend ausgebautes Elektronisches Studio bietet seit 1989 die Möglichkeit, auch experimentelle Musik außerhalb traditioneller Musikinstrumente zu erarbeiten und pädagogisch-didaktisch zu vermitteln.

    Die eher an der klassischen Musik orientierte Hochschule zögerte aber nicht, sich in den 1960er und 70er Jahren auch dem Jazz zu öffnen. Erwin Lehn, der langjährige Leiter der SDR-Big Band gründete auch an der Hochschule eine eigene Big Band, die sich zunächst nur aus Studierenden der klassischen Fächer  zusammensetzte. Erst mit Prof. Bernd Konrad wurde 1986 ein eigener Studiengang Jazz und Popularmusik gegründet

    Einen völlig neuen Akzent setze die Hochschule 2001, als mit Prof. Dr. Werner Heinrichs erstmals ein externer Bewerber zum Rektor gewählt wurde, der bis dahin als Professor für Kulturmanagement tätig war. 2002 wurde der von Stirling, Wilford und Associates (heute » Wilford Schupp Architekten) geplanten und mehrfach mit Architekturpreisen bedachte zweite Bauabschnitt fertiggestellt, der vor allem der Schauspielschule, der Elementaren Musikpädagogik, aber auch der Orgelsammlung zugutekommt. 2003 erhielt die Hochschule das Promotionsrecht in den Fächern Musikwissenschaft und Musikpädagogik. 2005 gab sich die Hochschule eine völlig neue Struktur; sie gliedert sich seitdem in vier Fakultäten und elf Institute. Unter der Federführung von Prorektor Prof. Dr. Matthias Hermann wurde ab 2008 das Studienangebot entsprechend der Bologna-Reform auf die Bachelor-Master-Struktur umgestellt. Die Hochschule wird neben einem aktiven Förderverein seit 2010 von zwei hochschuleigenen Stiftungen unterstützt. Für kommerzielle Aufgaben steht seit 2006 eine eigene GmbH als Tochterunternehmen zur Verfügung.

    Durch zahlreiche herausragende Berufungen, viele erfolgreiche internationale Wettbewerbe sowie eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit konnte das Ansehen der Hochschule weiter gestärkt werden, was sich beispielsweise in jährlich 2.800 Bewerbungen um etwa 100 freie Studienplätze niederschlägt.