Aktuelles

    Stuttgarter Meisterkurse für Stimmkunst und Neues Musiktheater

    Die Improvisation – frei oder gelenkt, entwickelt oder konzipiert und in Form gegossen, bestimmt das Thema der diesjährigen Meisterkurse.

    Mit dem Tanz der Typographie bei Dada und Schwitters zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird die Geschichte der grafischen Partitur, die bereits in der Renaissance mit der kreisförmigen Notation von Liedern begann, neu in Szene gesetzt. Von den Mitgliedern der New York School,  zu denen neben den bildenden Künstlern Jackson Pollock und Alexander Calder vor allem Earle Brown, John Cage und Morton Feldman zu zählen sind, entstehen in den 50-er Jahren grafische Partituren, die den ausführenden Künstler*innen neue Aufgaben und neue Verantwortung übertragen. Umberto Eco schuf für diese Werke den Begriff der „offenen Form“, deren Realisierung sich erst durch den Zugriff und die Erarbeitung der Interpreten vollzieht. Der Komponist und Performer Gerhard Stäbler lotet in seiner Arbeit mit den Teilnehmer*innen zunächst die stimmlichen und körperlichen Sphären der „extended voices“ aus, um in einem weiteren Schritt mit Improvisationen, der interpretatorischen Gestaltung von Graphiken und der Ausdeutung von Konzepten zu arbeiten. Dass von der Beschäftigung mit dieser „offenen“ Kunstform eine hohe Faszination ausgeht, formuliert die Philosophin Juliane Rebentisch in ihren Theorien der Gegenwartskunst: „An solcher Kunst teilzuhaben, bedeutet immer auch, an der Potenzialität des Werks teilzuhaben, die Erfahrung seiner Unendlichkeit oder Unausschöpflichkeit zu machen.“

    Die Sängerin, Regisseurin und Leiterin der Studios für Stimmkunst und Neues Musiktheater Angelika Luz erarbeitet mit den Teilnehmer*innen die ganze Bandbreite Neuer Musik. Von den Anfängen mit Musik von Arnold Schönberg und Anton von Webern bis in die Gegenwart reichen die Werke für Stimme, die sowohl der Repertoireliste entnommen werden können als auch aus dem bereits bestehenden Repertoire der Teilnehmer*innen mitgebracht werden können.

    Anika Rutkofsky, studierte Dramaturgin und seit 2015/16 als Regieassistentin und Abendspielleiterin an der Oper Stuttgart engagiert, setzt in ihrem Workshop nicht nur solistische Werke der Teilnehmer*innen in Szene, sondern erarbeitet und erprobt auch gemeinsam mit den Ausführenden Ideen, Konzepte und Strategien zur Präsentation zeitgenössischer Musik.