Aktuelles

    Ringvorlesung "Kammermusik interpretieren"

    Wortloser Gesang.
    Instrumentale Kantabilität in der Kammermusik des 19. Jahrhunderts

    Jahrhundertelang wurde die Komposition und Aufführung von Instrumentalmusik am Modell der Vokalmusik und der vokalen Vortragspraxis gemessen: „Alles muß gehörig singen“ forderte etwa Johann Mattheson von den Komponisten, die Instrumentalisten sollten sich, so Leopold Mozart, darum bemühen, „so viel es immer möglich ist“ die Singkunst nachzuahmen. Zwar kulminierte zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Emanzipationsprozess der Instrumental- von der Vokalmusik, die Vorbildfunktion des Gesangs verschwand aber nicht. Der Vortrag geht an einigen exemplarischen Werken der Frage nach, wie sich das Ideal einer am menschlichen Gesang orientierten instrumentalen Kantabilität in der Kammermusik des 19. Jahrhunderts wandelte.

    Thomas Seedorf, geb. 1960 in Bremerhaven, studierte zunächst Schulmusik und Germanistik, dann Musikwissenschaft und Musikpädagogik in Hannover. Von 1988 bis 2006 war er als Wissenschaftlicher Angestellter am Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Freiburg tätig; seit dem Wintersemester 2006/07 wirkt er als Professor für Musikwissenschaft an der Karlsruher Hochschule für Musik. Zu seinen Forschungsinteressen gehören u. a. Liedgeschichte und -analyse, Aufführungspraxis sowie insbesondere Theorie und Geschichte des Kunstgesangs. Er ist u. a. Sprecher der Fachgruppe Aufführungspraxis und Interpretationsforschung in der Gesellschaft für Musikforschung, Mitherausgeber der Reger-Werkausgabe sowie Projektleiter der Neuen Schubert-Ausgabe.