Wir trauern um Elke Twiesselmann

    Wir trauern um Elke Twiesselmann

    Sie betrat einen Raum und war sogleich präsent, noch bevor man sie sah spürte man sie. Mit ihr war eine andere Schwingung im Raum. Sie musste nicht - wie manche andere es glauben - Aufmerksamkeit auf sich ziehen: sie hatte sie stets bei sich, man kann auch mit Recht sagen: sie war selbst diese Aufmerksamkeit.

    Mit welcher Neugierde, Leidenschaft, Jugendlichkeit sie sich dem Spiel auf der Bühne und den Menschen hingeben konnte! Darin war und bleibt sie großartiges Vorbild. Schlichter, konkreter formuliert: Neben ihr sahen Andere manches Mal ganz schön alt aus. Denn Elke Twiesselmann konnte sich hinreißen lassen - und dabei ihr Handwerk stets beherrschen und herrschen lassen. Sie konnte alles wahrnehmen, präzise benennen und aussprechen, was ist. Sie konnte Raum lassen, ehe Bewertungen Platz eingeräumt wurde. Sie wusste zu gut, wie wichtig dieser Freiraum ist für Schauspielende, um ein eigenes Wertesystem, einen eigenen Charakter wachsen lassen zu können. 24 Jahre arbeitete sie an der HMDK als Rollenlehrerin. Noch weit länger war sie auf den Werkstattpräsentationen der Schauspielabteilung verlässlich zu Gast, bis zuletzt.

    Elke Twiesselmann, 1927 in Hamburg geboren, hatte zunächst Literatur und Kunstgeschichte an der Universität Hamburg studiert, dann zum Schauspielstudium an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Hamburg gewechselt. Unter anderem war sie zwölf Jahre Ensemblemitglied am Schauspielhaus Bochum. 1972 bis 1975 war sie fest am Schauspiel Stuttgart, es folgten Basel und Frankfurt. Neben ihren weiterhin zahlreichen Engagements an der Staatsoper und dem Schauspiel Stuttgart, am Mannheimer Nationaltheater, in Heidelberg und an anderen Theatern war ihr diese „Wiege des Schauspiels“ eine spürbare Herzensangelegenheit, ein Lebenselixier. In der Nacht vom 27. auf den 28. September ist Elke Twiesselmann nun im Alter von 94 Jahren gestorben.