Cyprien Lengagne (Schweiz) ist Sieger des Domnick-Cellowettbewerbs 2026 und erhält den Domnick-Preis. Zwei Sonderpreise gehen an Hanna Daub (Deutschland) und James Morley (Australien). Mit einer Auszeichnung werden Liam Battle (USA), Benjamin Kautter (Deutschland) und Sebastian Triebener (Deutschland) geehrt.
Ein Cellist, der alles zeigte
Die Jury würdigt in Lengagne einen Musiker, der während des gesamten Wettbewerbs die ganze Band-breite seines Talents bewiesen hat: eine brillante Technik, einen vollen und kraftvollen Klang sowie vorbildliche Reflexion und Texttreue. Sein Programm war so abwechslungsreich wie anspruchsvoll. Es reichte vom Pflichtstück EFEU von Thomas Demenga über die „Klassiker“ des zeitgenössischen Cello-Repertoires von Schnittke, Zimmermann und Penderecki bis zur spektralen Musik in Tristan Murails Attracteurs étranges. Im Finale erklang zudem sein eigenes Stück Dialogues für Cello und Klavier. Es zeigte die Vielseitigkeit und Tiefe seiner musikalischen Persönlichkeit. Nach Überzeugung der Jury steht Lengagne eine glänzende Zukunft in der Musikwelt bevor.
Die weiteren Preisträgerinnen und Preisträger
Mit den Sonderpreisen für Hanna Daub (Deutschland) und James Morley (Australien) sowie den Auszeichnungen für Liam Battle (USA), Benjamin Kautter (Deutschland) und Sebastian Triebener (Deutschland) zeigt der Wettbewerb, wie international und vielfältig die junge Cello-Generation für die Neue Musik aufgestellt ist. Die Preisträgerinnen und Preisträger kommen aus vier Ländern auf drei Kontinenten.
Eine Jury von Rang
Über die Preise entschied eine Jury, die selbst für das Zusammenspiel von Interpretation, Komposition und Neuer Musik steht. Den Vorsitz hatte der Schweizer Cellist und Komponist Thomas Demenga, dessen Werk „EFEU“ zugleich als Pflichtstück des Wettbewerbs diente. Ihm zur Seite standen Åsa Åkerberg, Diana Ligeti, Martina Schucan, Nicola Baroni und Prof. Tristan Cornut und Prof. Conra-din Brotbek (Wettbewerbsleitung) aus Stuttgart.
Schirmherr mit 90 Jahren: Helmut Lachenmann
Die Schirmherrschaft über den Wettbewerb übernahm der Stuttgarter Komponist und frühere Profes-sor der Stuttgarter Hochschule Helmut Lachenmann. Dass einer der prägenden Komponisten der Gegenwart diesen Wettbewerb für Neue Musik im Alter von 90 Jahren begleitet, unterstreicht dessen Bedeutung. Der Domnick-Cellowettbewerb gibt jungen Cellistinnen und Cellisten die Möglichkeit, sich mit dem anspruchsvollen zeitgenössischen Repertoire auf höchstem Niveau zu messen, und er trägt dazu bei, Neue Musik für das Cello lebendig zu halten. Die bisherigen Preisträger sind zu re-nommierten Cellisten geworden, die den Namen Domnick auf internationalen Bühnen präsent halten.
Ein Preis mit Geschichte
Der Preis geht auf Greta und Ottomar Domnick zurück. Das Sammlerehepaar, das seit 1945 abstrakte Kunst erwarb, experimentelle Filme drehte und 1967 eine moderne Villa als lebendigen Ort der Kunst und der Neuen Musik errichtete, gründete den Cello-Preis zur Förderung junger Cellistinnen und Cellisten. Ottomar Domnick (1907–1989) hatte als Kind selbst widerwillig Cello im Familienquartett gespielt und kaufte sich mit 67 Jahren noch einmal eines. Sammlung und Villa vermachte das Paar dem Land Baden-Württemberg; die Vergabe des Preises ist in den Stiftungsverträgen festgeschrieben. Heute führt das Kuratorium gemeinsam mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg diese Tradition fort.