ERKLÄRUNG DER MUSIKHOCHSCHULEN FREIBURG, KARLSRUHE UND STUTTGART ZUR SITUATION DER HOCHSCHULEN IN BW

ERKLÄRUNG DER MUSIKHOCHSCHULEN FREIBURG, KARLSRUHE und STUTTGART

zur öffentlichen Diskussion der geplanten Umstrukturierung der baden-württembergischen Hochschullandschaft

 

Nachdem sich alle fünf Musikhochschulen des Landes zunächst vehement gegen jede Form von Kürzungen geäußert hatten und es den Hochschulen nicht möglich war, die nicht belastbar argumentierte Behauptung des Landesrechnungshofes zurückzuweisen, es gäbe zu viele Studienplätze angesichts deutlich zurückgehender Berufschancen, wurden seitens des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst drei Modelle zur Haushaltskonsolidierung zur Diskussion gestellt:

 

1. Alternative

Die Kürzung aller fünf Musikhochschulen im Lande gemäß der Beratenden Äußerung des Landesrechnungshofes mit dem Ziel, 5 Millionen für den Landeshaushalt einzusparen. Dies würde eine Kürzung von 20% der Studienplätze und landesweit den Verlust von rund 50 Professuren bedeuten.

 

2. Alternative

Die vollständige Schließung einer Hochschule.

 

3. Alternative

Die strukturelle Neudefinition der Musikhochschulen an den bestehenden fünf Standorten. Dieser von den externen Experten am Ende der viertägigen Beratungen im Ministerium einstimmig unterstützte Vorschlag beinhaltet Verschlankung aller Standorte, weitere Profilierung von drei Hochschulen und Spezialisierung zweier Standorte im Land.

 

Wir meinen, es muss als Chance für alle fünf Standorte begriffen werden, die Schließung eines Standortes zu vermeiden und mit konstruktiver Mitwirkung das umzusetzen, was Frau Ministerin Bauer von Anfang an vorgegeben hatte, nämlich, die Qualität der Musikhochschulen im Lande nicht nur zu sichern, sondern sogar zu mehren und damit die Hochschullandschaft weiterzuentwickeln - und dies trotz unvermeidlicher Sparmaßnahmen zur Konsolidierung des Landeshaushaltes bis 2020 im Interesse der nachfolgenden Generationen.

 

So handelt es sich bei der dritten Alternative keineswegs - wie öffentlich dargestellt - um »Schließung« oder gar »Kahlschlag«. Auch muss der Meinung der Mannheimer Hochschulleitung in aller Schärfe widersprochen werden, bei den Vorschlägen des Landesrechnungshofes, an allen fünf Standorten lineare Einsparungen zu leisten, ginge es um ein »faires« Angebot, und trotz Rasenmäherkürzungen könnten die Hochschulen »irgendwie« damit fertig werden. Dies steht jeglichem Verständnis von Qualität entgegen.

 

Wir halten es für nicht akzeptabel und nicht möglich, die Maßgaben des Landesrechnungshofes durch folgende Maßnahmen (Vorschlag Mannheim / Trossingen) zu erfüllen:

- die Vollfinanzierung sämtlicher Aufbau- und Weiterbildungsstudiengänge durch Studiengebühren (10.000 bis 18.000 € pro Studienplatz pro Jahr)

- die Aufforderung an die Professorenschaft, mittels kostenloser Deputatserhöhung (»freiwilliges« Überdeputat) Stellen einzusparen

- die extreme Reduzierung der Professuren (Angebot Mannheim: von 55 auf 30!), womit der universitäre Status der Musikhochschulen unverantwortlich aufs Spiel gesetzt wird.

 

Insofern würde gerade die Umsetzung der Vorschläge des Landesrechnungshofes den »Kahlschlag« in der baden-württembergischen Hochschullandschaft bedeuten, würde gerade damit die historisch gewachsene Exzellenz der baden-württembergischen Hochschulen nachhaltig zerstört, würde Qualität unwiederbringlich nach unten nivelliert.

 

Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart sind bereit, zum Umstrukturierungsprozess ihren Beitrag zu leisten. Denn wir sind davon überzeugt, dass allen Musikhochschulen im Lande mit der vorgesehenen Umstrukturierung große Chancen für Profilierung und Qualitätsmehrung erwachsen.

Auch würde die ganzjährig arbeitende Hochschulakademie an der Hochschule Trossingen dem Musikland Baden-Württemberg mit einem von allen fünf Musikhochschulen verantworteten Lehrangebot der Schwerpunktbildung ein Alleinstellungsmerkmal sichern, um das uns mit Sicherheit bald viele beneiden werden.

 

Dr. Rüdiger Nolte     Hartmut Höll     Dr. Regula Rapp

 

22.7.2013