Veranstaltungen

    BEYOND
    Studierende der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart komponieren für St. Eberhard

    Was geht in den Köpfen junger KomponistInnen in Sachen Glauben und Kirche um? Welche zeitgemäße künstlerische Sprache finden sie für den besonderen Ort von Verkündigung und Gebet? Wie können experimentelle Kompositionen in den Kontext heutiger Liturgie Eingang finden?

    Mit dem neu initiierten Programm BEYOND sollen Brücken gebaut und Ideen von Studierenden realisiert werden:

    Auf Initiative der Dommusik St. Eberhard und der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart und ermöglicht durch die Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, der Martin-Schmälzle-Stiftung sowie der Domgemeinde St. Eberhard Stuttgart, können in den kommenden Jahren jährlich mehrere Kompositionsstipedien an Studierende der HMDK vergeben werden. Die StipendiatInnen sollen damit die Möglichkeit erhalten, neue Kompositionen für die Liturgie in der Domkirche St. Eberhard zu schreiben und vor Ort aufzuführen.
    Das stilistische Spektrum wird dabei bewusst offen gehalten und umfasst alle zeitgenössischen Kompositionstechniken und -ästhetiken. Auch der Einsatz von Video, Elektronik und anderen experimentellen Medien und Formaten ist möglich. Vielfältige Besetzungen, realisierbare und wiederholbare Aufführungen und Performances sowie inhaltliche Auseinandersetzung mit den Themen der Liturgie und deren Weltbezug stehen auf der Wunschliste einer Vergabekommission aus VertreterInnen von Hochschule und Dommusik.

    Aufgeführt werden die neuen Werke in mehreren Gottesdiensten der Domkirche unter Beteiligung der dortigen Chöre und Ensembles sowie von zusätzlichen MusikerInnen nach Bedarf.


    Höhe der Stipendien (je nach Umfang der Komposition): zwischen 1.000 und 5.000 €

    Vergabekommission: Prof. Bernd Asmus, Dekan Prof. Jürgen Essl, Prof. Martin Schüttler, Prof. Marco Stroppa, Prof. Rainer Tempel, Domkapellmeister Christian Weiherer
    Projektleitung: Jürgen Essl, Antonia Marten, Christian Weiherer
    Grafik: Katrin Klappert


    NÄCHSTER TERMIN

    25.03.2018 | 10 Uhr | Uraufführung
    Marcus Antonio Caratelli: Ite missa est

    für Chor (S/A), Glocken, Schlagwerk und Streicher

    Besetzung der Uraufführung:
    Streichquartett: Vl1: Johannes Brzoska, Vl2: Marie-Helene Leonhardi, Vla: Till Breitkreutz, Vlc: Levan Stülpnagel
    Schlagzeug: Hannes Brugger
    Mädchenchor der Domkantorei

    Marcus Antonio Caratelli (*1991) studiert Komposition in der Klasse von Prof. Martin Schüttler. Seit früher Jugend erhielt er eine musikalische Ausbildung in Klavier und Kompositions-Kurse, u.a. bei Dieter Mack und Annette Schlünz. Daneben belegte er Klaviermeisterklassen bei Prof. Peter Feuchtwanger (London) und Prof. Günter Reinhold (Karlsruhe). Weiteren Unterricht in Dirigieren erhielt er bei Christof Löser und Prof. Richard Wien. Für seine Kompositionen wurde er mehrfach ausgezeichnet. Seine Werke wurden von verschiedenen Orchestern und Ensembles gespielt, u.a. dem BBC National Orchestra of Wales, dem Ulster Orchestra, dem Stuttgarter Kammerorchester und den Stuttgarter Philharmonikern, dessen Patenorchester, das Jugendsinfonieorchester der Stadt Stuttgart er auf dessen erster Asienkonzertreise dirigierte. Als Dirigent eigener Kompositionen trat er u.a. mit dem echtzeitEnsemble auf, welches bereits viele seiner Werke uraufgeführt hat.

    Zum Werk:
    Ite missa est: gehet, es ist Sendung. So lautet die kurze Entlassungsformel am Ende des Gottesdienstes. Innerhalb der Messvertonungen kommt ihr wohl eine ganz besondere Bedeutung zu, es ist einer der am wenigsten vertonten liturgischen Texte in der Messen-Tradition. Nicht umsoweniger bedeutsam aber ist sein inhaltlich weisender Gehalt. Mich haben die Worte „Gehet, es ist Sendung” immer tief beeindruckt, so sagen diese wenigen Worte doch soviel, was für uns Christen von Belang ist. Die Aufforderung mag nicht immer leicht sein, sie mag bisweilen auch unbequem erscheinen, aber sie besitzt eine ungeheure Kraft, und dieses Spannungsfeld habe ich versucht, musikalisch aufzugreifen. Der kleine, chromatisch angelegte Tonraum des Chores wird über das gesamte Stück hinweg geöffnet und vergrößert, gleichzeitig durchdringen kurze Konsonanten und Wortfetzen die Textur. Ein kleines, renaissanceartiges Versatzstück erinnert an die fehlende Geschichte polyphoner Ite-Vertonungen. Die Öffnung des Chores steigert sich zum Schluss hin, gleichsam einer Öffnung der Gemeinde hin auf die feierliche Entlassung. Das Stück bietet am Schluss die Gelegenheit einer partizipatorischen Beteiligung aller Gottesdienstbesucher: der Priester wird am Ende des Stückes ein monodisches Ite missa est vortragen (aus dem Kyriale Romanum) zudem Chor und Gemeinde eingeladen sind, das obligatorische Responsorium (von Glocken begleitet) singen zu dürfen.