CAMPUS GEGENWART

    CAMPUS GEGENWART – neues interdisziplinäres Ausbildungs-, Forschungs- und Entwicklungslabor in Stuttgart   

    Mit den „Zukunftskonferenzen Musikhochschule“ im Jahr 2014 hatte das Land Baden-Württemberg eine tiefgreifende Diskussion über die Weiterentwicklung der Musikhochschullandschaft angestoßen und in der Folge einen Wettbewerb um sogenannte Landeszentren initiiert. Neben vier weiteren herausragenden Vorhaben erhielt der von der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart eingereichte Antrag zu einem CAMPUS GEGENWART den Zuschlag. Als ein großes interdisziplinäres Ausbildungs-, Forschungs- und Entwicklungslabor angedacht, strebt das neue Landeszentrum in Stuttgart eine Verortung inmitten unserer heutigen Zeit, ihrer Künste und ästhetischen Diskurse an. Kooperationspartner sind die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart sowie die Hochschule der Medien Stuttgart.  

    Längst sind Globalisierung und weltweite mediale Vernetzung zu den Grundbedingungen unserer vielschichtigen Gegenwart geworden – neben der neuen, scheinbar alles umfassenden Nähe entstehen auch ungeahnte Konfliktzonen und Reibungsflächen. Angesichts der heutigen komplexen Wirklichkeit, die von heterogenen, parallel existierenden Realitäten durchdrungen ist, sieht sich ihrerseits auch die Kunst gefordert, Fragen, Antworten und Konzepte zu formulieren, die mit den aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen und Herausforderungen umgehen. Dabei erscheinen die ästhetischen und medialen Spielarten der gegenwärtigen Künste so vielfältig wie die Wirklichkeit selbst. Zugleich vollzieht sich in den Künsten eine kontinuierliche Entgrenzung der traditionellen Einzelkünste und damit einhergehend die Integration der künstlerischen Mittel. Die „Kunstsparten“ arbeiten und wirken heute in denselben Bereichen und mit denselben Mitteln, sie setzen sich mit denselben ästhetischen und gesellschaftlichen Problemen und Zukunftsfragen theoretisch und performativ auseinander, wenn auch aus unterschiedlichen Perspektiven und in unterschiedlichen Sprachen und Diskursen.

    Insbesondere seit in den letzten Jahren die Neue-Musik-Szene und -Ästhetik vehement in Bewegung gekommen ist und sich in interdisziplinäre Kunstdiskurse einklinkt, in Anbetracht dessen, dass die „Neue Musik” inzwischen bereits rund 110 Jahre auf dem Buckel hat und sich zugleich die Ausbildungsstrukturen stärker auf berufliche Perspektiven in der freien Szene ausrichten, wächst das Bedürfnis nach einer auch theoretisch fundierten intermedialen und performativen Ausbildung an den aktuellen Schnittpunkten der Künste. Vor diesem Hintergrund und in Zusammenarbeit unterschiedlichster künstlerischer Felder und Beteiligter wurde daraufhin die Idee für ein neues, vollständig im Heute verankerten Ausbildungs- und Kompetenzzentrums für die Künste formuliert, welche in einem kontinuierlichen Prozess in Theorie und Praxis weitergedacht und -geformt werden wird.  

    Der CAMPUS GEGENWART erhält mit mehreren neuen Stellen – u.a. für Performance, Gegenwartsästhetik und Neue Vokalmusik – die Chance, die aktuelle ästhetische und interdisziplinäre Aufbruchsstimmung in eine neue Studienrealität umzusetzen: Vernetzt in die vorhandenen Studiengänge hinein, entstehen eine offene Plattform und ein neuer Master-Studiengang Performance, die es Studierenden ermöglichen, über die Idee der Kooperation hinausgehend, im Kern multimedial gedachte Projekte zu realisieren und sich intensiv mit den Theorien der Darstellung auseinanderzusetzen. Dabei gilt es, nicht ‚eine‘ Definition von Performance als Ausgangspunkt zu fixieren, sondern gerade die terminologische Vieldeutigkeit dieses Begriffs zu nutzen, um einige wesentliche Fixpunkte zu markieren, an die die CAMPUS-Aktivitäten andocken und sich aus einem Pool von Möglichkeiten entwickeln sollen. Und so richtet sich auch die Ausbildungsaktivität des neuen Landeszentrums insbesondere auf berufliche „Zwischen-Positionen“ – zwischen den Szenen der verschiedenen Künste, zwischen „freier“ Szene und institutionalisiertem Betrieb, zwischen künstlerischer, kompositorischer, wissenschaftlicher, konzeptioneller, technischer, lehrender und organisatorischer Tätigkeit.

    Zwei Veranstaltungen im Sommersemester 2016 bildeten den Startschuss für den CAMPUS GEGENWART: Das interdisziplinäre Projekt WIRKLICHKEITEN. Kongress Musik Interventionen und ein einführendes Ringseminar CAMPUS GEGENWART. Interdisziplinäre Annäherungen in Theorie und Praxis.