Ähm … kurze Frage! November 2026

Welchen Sinn (Sehen, Hören, Schmecken, Tasten, Riechen) möchten Sie als letztes verlieren? Und warum? Diesmal ging die Frage an unsere Kollegin Rita Pauls. 

2010 habe ich beim Anflug auf Palma de Mallorca fast vollständig mein Gehör verloren. Den ganzen Urlaub über und noch acht Monate danach mussten die Menschen um mich herum regelrecht schreien, damit ich sie verstehen konnte. Für mich als Hobbysängerin war das eine Katastrophe. Nach und nach haben sich meine Ohren wieder erholt – nicht vollständig, aber immerhin so weit, dass ich damit leben, musizieren und arbeiten kann. Für meine Umgebung ist es sicher manchmal nervig, dass ich so oft nachfragen muss. Aber für Hörgeräte bin ich innerlich einfach noch nicht bereit. Sorry, Leute!

Seit Beginn der Corona-Pandemie war ich mehrmals an Covid-19 erkrankt – fast immer mit Geruchsverlust. Ziemlich nervig, aber zum Glück kam der Geruch irgendwann wieder zurück. Im Januar dieses Jahres war er plötzlich wieder weg. Das habe ich erst ein paar Tage später richtig bemerkt. Nämlich als mir auffiel, dass die jungen Männer im Bus oder in der Bahn plötzlich nicht mehr nach diesem fürchterlichen Trendparfüm rochen, in dem sie sich sonst immer badeten. Normalerweise musste ich mich dann schnell umsetzen und war schon ein paar Mal kurz davor, die Jungs zu fragen, ob dieses Aroma ihren Freundinnen wirklich auch gefällt.

Ein kleiner Vorteil hatte der Geruchsverlust allerdings: Mit dem Geruch verschwand auch der Appetit. Ein paar Pfunde habe ich dadurch sogar verloren!

Am meisten Angst macht mir allerdings der Gedanke, meine Sehkraft zu verlieren. Dabei habe ich sofort meinen 85-jährigen Vater vor Augen. Früher ging er nie ohne ein Buch ins Bett. Heute leidet er an Parkinson und verliert langsam seine Kraft, seine Sehkraft und auch die Lust an vielen Dingen. Wenn er wenigstens noch lesen könnte, würde er vielleicht nicht ganz so oft meiner Mutter auf die Nerven gehen, indem er „seine Nase in ihre Töpfe steckt“ und ihr ungefragt Ratschläge gibt.

Oh, ich merke schon jetzt, wie gerne ich ungefragt Ratschläge erteile. Was wird also aus mir, wenn ich eines Tages erblinde? Ich beneide die Menschen um mich herum jetzt schon nicht ...